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Zwischen Tessin und Graubünden: Abgelegene Skihochtouren im Rheinwaldgebiet

„Das Original steht in Vals“, pflegen die Einheimischen voller stolz zu betonen, wenn sie über das markante Zervreilahorn sinnieren. Ein bekanntes und viel begangenes Ziel im Sommer, bieten die umliegenden Täler im Frühling ein perfektes Ziel für alpine Skihochtouren mit langen Gletschern und sulzigen Abfahrten. 

 

Für ein verlängertes Wochenende bieten sich im Gebiet rund um die Läntahütte folgende Touren an:

 

Unsere Beine sind noch etwas schwer, als wir an diesem kalten aber klaren morgen die ersten Höhenmeter entlang des Zervreilastausees unter die Füsse, respektive unter die Felle nehmen. Es war eine unruhige Nacht mit viel Verkehr. Warum, werden wir erst später erfahren.

Es ist Ende Mai Noch liegt etwas Schnee auf der Strasse Richtung Kapelle. Im Winter und in den ersten Frühlingsmonaten kann in der Regel ab dem Parkplatz Berggasthaus oder von der Staumauer durchgehend auf Schnee aufgestiegen werden. Ab der Kapelle lockt schon die erste Abfahrt des Tages, die Felle können dafür angeschnallt bleiben. Schnell gelangt man so bis zur Canalbrücke. Hier kann im Sommer bestens gebouldert werden. Wir aber haben kaum Augen für die Blöcke, vielmehr versuchen wir am gegenüberliegenden Hang genügend ein paar Schneefelder und die Aufstiegsspur Richtung Furggelti. Diese folgt ziemlich genau dem Sommerweg, und bietet einen weitaus interessanteren Zustieg zur Läntahütte.

 

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Einsam gewinnen wir Höhenmeter Richtung Furggelti

 

Das Zervreilahorn immer fest im Blick

Während auf Höhe Stausee die ersten Alprosen in die morgendliche Sonne blinzeln, können wir ab 2000m die Skis montieren. Schnell gewinnen wir an Höhe, für den Rest des Tages das markante Zervreilahorn im Blick, aus allen erdenklichen Perspektiven. Während wir gleichmässig Höhenmeter gewinnen, schweifen unsere Blicke über die Nordost-Kante. Erste Pläne für den Sommer werden geschmiedet. Dass auch in der spiegelglatten, von feinen Rissen durchzogenen Südostwand geklettert wird, ist von unten kaum vorstellbar. In diesen Routen wird moderne Klettergeschichte geschrieben.

 

Auf dem Furggelti angekommen, entscheiden wir uns für die umgehende Abfahrt zur Hütte. Auf das Furggeltihorn verzichten wir bewusst, ein abgeblasener Rücken mit glitzernder Oberfläche verspricht wenig Abfahrtsspass. Zu verlockend wohl auch der Gedanke an einen Nachmittag auf der Sonnenterrasse mit Kühlgetränk und „Plättli“. Vom Furggelti sind zwei Abfahrten möglich: Einerseits direkt über die steilen und felsdurchsetzten Westhänge zur Hütte, oder dann in nordwestliche Richtung auf die Lampatscher Alp. Beide Abfahrten erfordern sichere Verhältnisse. Aufgrund der nicht ganz so warmen Temperaturen und entsprechend gefrorener Abfahrt entscheiden wir uns für die Route Richtung Lampatscher Alp. Für diese fährt man entlang der Felsbänder die vom Furggelti nach Nordwesten verlaufen Richtung Pkt. 2598. Weiter traversiert man die Höhe haltend oberhalb der markanten Felsrinne und fährt anschliessend Richtung Lampatscher Alp.

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Blick zurück zum halbleeren Stausee. Anfangs Mai liegt noch Schnee bis 2000m.

 

Nicht ganz triviale Routenfindung

Anfangs sind wir uns unserer Sache ziemlich sicher, scheinbar aber haben wir schon zu viel Höhe verloren. Richtung steile Felsrinne blickend erscheint uns die weitere Traverse wenig verlockend. Wir entscheiden uns für das Abrutschen ins Tal, in der Hoffnung den richtigen Übergang noch zu finden. Später werden wir feststellen, dass wohl ein weiter Traversieren die richtige Entscheidung gewesen wäre. Einige Höhenmeter später ist dann der Spass vorbei. Wir schnallen die Skis ab und nehmen den Pickel zur Hand. Über Büsche, Rinnen und Lawinenkegel steigen wir Richtung Valser Rhein ab und geniessen vor der Talsohle doch noch ein paar Schwünge im Pulver.

In kurzweiligen 20 Minuten erreichen wir die einsame Läntahütte. Diese klebt, gut geschützt vor Lawinen, unter, respektive hinter einem Felsvorsprung. Vom Anfangs etwas zurückhaltenden Hüttenwart werden wir in den kommenden Tagen hervorragend bewirtet und geniessen einige kulinarische Leckereien.

 

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Ein Lawinenkegel dient (zum Schluss) als einigermassen angenehme Abstiegsvariante.

 

Hier folgt morgen der zweite Teil zur Skihochtourenserie im Läntagebiet.

Profile photo of Manuel Scherrer

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