Der Lago Alzasca, einer der schönsten Bergseen im Tessin, oberhalb der Capanna Alzasca, der wohl schönsten Hütte des Tessin. Foto von Simona.

Wie verantwortungsvoll sind Solotouren?

Solotouren werden immer beliebter. Entsprechend mehr Berggänger sind alleine unterwegs. Doch was passiert, wenn unterwegs etwas passiert? Smartphone und Internet in Ehren, aber was wenn kein Empfang vorhanden ist? Ein neuartiger Dienst will nun Abhilfe schaffen.

 

Das gemeinsame Planen einer Tour, das Studieren der Route, das Austauschen von Ideen, das gesellige Zusammensein abends in der Hütte oder im Biwak – für viele ist der gesellige Teil einer Bergtour mindestens so wichtig wie die Tour an sich. Doch immer mehr Bergänger sind alleine unterwegs – und das nicht nur auf „normalen“ Bergwanderungen. Gemäss der jährlichen Unfallstatistik des SAC warin in 2015 über einen Drittel der tödlich verunfallten Berggänger im Alleingang unterwegs. Tendenz steigend.

Dabei stellt sich unweigerlich die Frage: Was wenn etwas passiert? Wer kann den verschütteten Tourengänger orten? Wer soll alarmieren und wer den Verschütteten aus der Lawine befreien? Fragen, die im Endeffekt jeder für sich selbst beantworten muss. Jede Bergtour verlangt ein eigenes Risikomanagement, Alleingänge können dabei nicht per se als gefährlich eingestuft werden, nichtsdestotrotz aber kann auch auf Einzelgängen etwas passieren.

 

Smartphones und Internet machens möglich

Wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, damit befasst sich die Branche schon seit längerer Zeit. Inbesondere das aufkommen von Smartphones hat sowohl Rettungsunternehmen wie die Rega als auch Start-ups aus dem Technologiesektor auf den Plang gerufen. Es wird versucht, mittels mobiler Apps die Alarmierung zur vereinfachen, respektive die Übermittlung von Daten und damit die Information zum Unfallort zu präzisieren. Dafür wurden von der Rega eine eigene App entwickelt. Grosses Problem dabei immer: Der Handyempfang. Dies will die App „Uepaa“ lösen, in dem sie auf Peer-to-Peer (P2P) gestützte Kommunikation setzt. Doch was, wenn man sich alleine im Gelände befindet? Und weder Empfang noch ein anders Smartphone in der Nähe ist?

 

Was geschieht bei einem Fehlalarm?

Ein Angebot aus den USA mit dem Namen iNeverSolo versucht hier Abhilfe zu schaffen. Jeder kann kostenlos seine eigene Tour hinterlegen, mit Wegpunkten, Marschzeiten, und vielem mehr. Ebenfalls hinterlegt er einen oder mehrere Notfallkontakte. Kehrt der Berggänger unversehrt von der Tour zurück, bestätigt er dies online, und nichts weiter geschieht. Meldet er sich aber nicht zurück, wird er erinnert, dies doch bitte nachzuholen. Wird dies nicht gemacht, werden die Notfallkontakte aufgefordert, zuerst mit dem betreffenden Berggänger Kontakt aufzunehmen oder andernfalls eine Rettung einzuleiten. Der genaue Routenverlauf ist hinterlegt, in der Regel weiss damit die Rettungorganisation, wo der Vermisste zu suchen ist.

Soweit so gut. Was aber, wenn man aus irgend einem Grund keine Möglichkeit hatte, sich korrekt zurück zu melden? Was, wenn man aus technischen Gründen nicht erreichbar ist für das Umfeld? Was, wenn unnötig eine Rettung ausgelöst wird?

Laut den Grundsätzen der Rega wird eine Suchaktion immer dem Gesuchten belastet, egal ober auch wirklich in Not ist oder nicht. Dies soll die Schwelle für eine Alarmierung herabsetzten und Leben retten. Ein Mechanismus, der bisher gut funktioniert hat. Und wie immer stellt sich bei neuartigen, auf Technik basierten Angeboten die Frage, ob es im Endeffekt mehr nützt oder schadet. „Nützt nüt so schad’s nüt?“

 

Was sind Eure Erfahrungen? Wie sieht Euer Risikomanagement aus? Wie informiert ihr Eure Angehörigen? Haltet ihr irgendwo eure Route fest? Schreibe uns deine Meinung im Kommentar.

 

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