Slacktivity Highline Marokko

Weltrekordversuch vom Winde verweht

Marokko, Anfang Oktober 2016: Der Schweizer Profi-Highliner Samuel Volery setzte mit seiner Crew ins Afrikanische Königreich über. Er hatte nur ein Ziel: Er wollte den Highline-Weltrekord von 1020m überbieten. Doch es kam einiges anders als erwartet.

Nach nur zwei Tagen war der Aufbau der bisher längsten Highline von 1150m Länge in der Todra-Schlucht im mittleren Atlas-Gebirge geglückt. Am dritten Tag wagte Volery bereits seinen ersten Versuch. In schwindelerregenden 350m Höhe balancierte er über die Todra-Schlucht – windige Bedingungen herrschten über dem trockenen Land. Selbstverständlich war Volery dabei gesichert – Stürze waren also völlig ungefährlich. Über eine Stunde lang kämpfte der 32-Jährige mit wechselhaften Wetterbedingungen, bis ihm – nur 200m vor dem Ziel – ein Windstoss zum Verhängnis wurde: Kurz vor Ende der längsten Highline der Welt stürzte er. Die Slackline sollte aber noch weitere zwei Wochen hängen, genügend Zeit also für viele weitere Versuche bei besseren Bedingungen.

 

Doch zwei Stunden nach seinem Versuch verdunkelte sich der Himmel. Es zogen immer dunklere Wolken auf. Strömender Regen wischte über den Wüstenstaat, dicht gefolgt von Blitzen und Donner – ein starkes Gewitter rollte über die Berge. Für den Schweizer nichts Besonderes, doch die Einheimischen trauten ihren Augen kaum: Es sei das erste Gewitter seit fünf Jahren! Dann geschah, wovor sich das Team in diesem Moment am meisten fürchtete: Die längste Highline der Welt wurde von einem Blitz getroffen und zerstört.

 

Doch wer glaubte, das Team hätte nun den Rückzug angetreten, kennt die Slackliner um Samuel Volery schlecht. Schon einmal hatte der Blitz eine Rekordline Volerys zerstört, damals zwischen den Schweizer Churfirsten. Das Team gab nicht auf, denn es hatte aus der ersten Blitz-Line gelernt und genügend Material eingepackt, um den Rekordversuch zu wiederholen. Eine Magendarmgrippe verzögerte den Wiederaufbau, doch nach weiteren sechs Tagen hing eine brandneue Highline am vorherigen Ort.

 

Bei perfekten Bedingungen, aber immer noch von der Grippe geschwächt, wagte Volery den nächsten Versuch. Doch seine Kräfte reichten noch nicht aus, um bis zum Ziel durchzuhalten. Nach über einem Kilometer ohne Sturz erwischte es den Extremsportler erneut 120m vor dem Line-Ende. Optimistisch, den Versuch in den nächsten zwei Tagen bei zurückgewonnenen Kräften wiederholen zu können, wartete Volery den nächsten Morgen ab. Doch erneut wurden seine Hoffnungen zerstört: Der nächste Tag zeigte Marokko von seiner windigen Seite. Natürlich wagte Volery den Versuch trotzdem, war aber völlig chancenlos, als Windböen von 50km/h ihn und die Highline bis zu 40m zur Seite drängten. Ein unmögliches Unterfangen.

 

Die nächsten und auch letzten zwei Tage des Projekts Marokko blieben stürmisch, und so musste das Team unverrichteter Dinge die Segel streichen. Was bleibt, sind schöne Bilder und Videos, sowie die Gewissheit, dass das Bezwingen einer derart langen Highline bei guten Bedingungen durchaus in Reichweite liegt. Volery bereut die Reise nach Marokko nicht, sieht er die Reise doch als ein unvergleichliches Abenteuer an, und die wenigen Momente auf der Highline seien von unbeschreiblicher Schönheit und unvergesslich gewesen.

 

Weitere Fakten zur Highline:

Länge: 1’150m

Höhe: 350m

Durchhang: ca. 100m

Breite des Bandes: 2cm

Zeit für den Lauf: 90 Minuten

Name der Highline: „Wind of Change“

   

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Profile photo of Manuel Scherrer

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