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Was macht den Reiz von Microadventures aus?

Microadventures liegen im Trend – so scheint es. Aber um was geht es bei Microadventures überhaupt? Braucht es für jede Art der Freizeitbeschäftigung eine eigene Bezeichnung mit Hashtag? Eine Spurensuche. 

 

Es ist die erste warme Frühlingswoche des Jahres. Ein etwas anstrengender Arbeitstag liegt hinter mir. Die Aussicht auf Vorlesung am kommenden Tag trotz strahlendem Sonnenschein und noch einige Garde wärmer als heute weckt so gar keine Euphorie. Der Entscheid ist schnell gefällt: Ein Tag am Fels oder den Bergen statt im Hörsaal soll es werden für morgen. Doch wer hat schon unter der Woche spontan Zeit? Auf die Schnelle leider niemand, Studenten sind beschäftigter als auch schon stelle ich fest.

Heisst für mich: Kein Fels, aber eine kleine Tour, evtl. mit Schneeschuhen liegt allemal drin. Eine unspektakuläre und kurze Tour soll es werden, Hauptsache draussen. Sind das jetzt genau diese Microadventures, dieser scheinbar neue Trend, welcher die sozialen Medien mit Fotos und Hashtags füllt? Auf Facebook bis zu 20’000 Likes, sogar eine eigene Gruppe für Mikro-Abenteurer in Zürich gibt’s und der Tagi widmet diesem Phänomen seit einiger Zeit sogar eine eigene Kategorie. Dort stehen Sätze im Stile von „Wie holt man das Maximum aus 24h“, die für mich eher nach gestresster Entschleunigung für gestresste Städter klingt denn entspannter Kurztrip in die Berge.

 

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Blick vom Biwakplatz bis zum Zürichsee

 

Alleine auf weiter Flur

Eine Stunde später ist der Rucksack gepackt, weitere eineinhalb Stunden später komme ich im beschaulichen Unteriberg an. Der Biet soll es werden, ein eigentlich gemütlicher Voralpengipfel im hinteren Sihltal soll es werden. Ob die Tour machbar ist oder ob noch zu viel Schnee liegt interessiert mich an dieser Stelle nur sekundär. Immer spontan bleiben ist die Devise. Und da alleine unterwegs, bin ich sowieso flexibel.  Primär geniesse ich die Abendidylle mit untergehenden Sonnenstrahlen, saftigen Kuhweiden und dem einen oder anderen vorbeibrausenden Subaru. Ich marschiere los, rechne aus ich sollte so gegen 22 Uhr im Biwak sein.

Kurve um Kurve, Meter um Meter schraube ich mich die Hügel hoch, ein Gemisch aus Entspannung und Fragezeichen in meinem Kopf. Ich bin eigentlich nicht so der Typ für Touren im Alleingang, zu lustig und unterhaltsam sind Bergtouren mit Kollegen und Freundin. Zu fest geniesse ich diesen geselligen Teil des Bergsports.

 

Idylle pur

Einige Stunden später verschwinden am Horizont die letzten Sonnenstrahlen und der Mond geht auf. Ein irgendwie surrealer Moment, die Stirnlampe werde ich heute nur noch für das Suchen im Rucksack brauchen. Den Rest erledigt in dieser Nacht der Mondschein. Ein magischer Moment! Müde erreiche ich den Biwakplatz, ein Plateau mit dem Ybrig-„Massiv“ auf der einen, Fluebrig, Sihl- und Zürichsee auf der anderen Seite, Fantastisch. Gegen Mitternacht habe ich die letzten Penne verspiesen und verkrieche mich unter dem Tarp in meinem Schlafsack. Der kommende Morgen ist noch schöner, ich geniesse das Müesli ungewöhnlich lange und wandere dann gemütlich wieder ins Sihltal zurück. Den Biet lasse ich aus, zu viel Schnee liegt noch in der Schlüsselstelle während am Fluebrig die Lawinen im Minutentakt ins Tal donnern.

 

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Schlafsack, Matte und evtl. Tarp. Viel mehr brauchts nicht für ein gemütliches Biwak.

 

Das war also mein erstes Microadventure. Die Faszination für Kurztrips zwischen Hörsaal und Büroplatz kann ich nur begrenzt nachvollziehen. Das liegt wohl daran, dass ich alleine unterwegs war, aber möglicherweise auch daran, dass ich Bergtouren in erster Linie mit Gipfel und Kollegen verbinde. Eine willkommene Auszeit war die Tour auf alle Fälle. Jener Aspekt, dass bei einem Microadventure primär das Draussen sein im Fokus steht und nicht ein Gipfelziel scheint entspannend. Gleichzeitig habe ich mich aber auch das eine oder andere mal gefragt, was ich da genau mache. Unterm Strich eine gemütliche Biwaktour unter der Woche, für die es wohl kaum einen neuen Trend braucht.

 

Was ist deine Meinung? Welchen Reiz haben für dich Kurzabenteuer draussen? Schreibe uns deine Meinung per Kommentar!

 

Informationen zur Tour

 

Anreise:

Idyllische Anreise mit dem  Auto oder per ÖV ins Sihltal bis Unteriberg, weiter bis Waag. Einige Parkplätze vorhanden.

 

Route: 

Von dort zuerst der Strasse, später über den Wanderweg auf den Farenstock. Einzige Schlüsselstelle wenn noch Schnee liegt oberhalb des Blackenboden vor Punkt 1476. Dort sind einige steile Schneefelder zu traversieren.

 

Übernachtung

Herrlicher Biwakplatz auf dem Farenstock mit Blick auf Sihl- und Zürichsee sowie Biet und Fluebrig.
Bildschirmfoto 2016-04-28 um 08.44.36

 

 

   

 

 

Profile photo of Manuel Scherrer

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