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"Ein Verzicht auf Heliskiing ist eine Chance und kein Verlust"

Das Beurteilungsverfahren um die Überprüfung der Gebirgslandeplätze ist vorerst zu Ende. Ungelöst bleibt aber der Konflikt zwischen Landschaftsschützern und Befürworten des Heliskiing. Dabei sei der Verzicht auf Heliskiing eine Chance und kein Verlust, meint Mountain Wilderness.

 

 

Im Mai 2014 hatte der Bundesrat beschlossen, die Anzahl Gebirgslandeplätze von 48 auf 40 zu reduzieren. Aktuell sind deren 42 in Betrieb. Zwei davon, nämlich die Rosenegg-West und Gumm in Kanton Bern sollen aufgehoben werden. „Die Schliessung der beiden Gebirgslandeplätze ist das Ergebnis einer Interessensabwägung zwischen den Zielen des Natur-, Landschafts- und Wildtierschutzes auf der einen und den Anliegen der Flugausbildung und des Flugtrainings auf der anderen Seite.“ wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL im Januar in ihrer Medienmitteilung schreibt. Im gleichen Zug wird das Beurteilungsverfahren zur Überprüfung der Gebirgslandeplätze durch den Bundesrat abgebrochen. Als Grund dafür nennt das BAZL „unüberbrückbare Differenzen zwischen verschiedenen Interessenvertretern“ die zu keinem zählbaren Ergebnis geführt hätten. Gleichzeitig mit der Verabschiedung der neuen Aussenlandeverordnung sei das ein ausgewogener Kompromiss.

 

„Reduktion der Landeplätze ist ein Scheinzugeständnis“

Katharina Conradin, Geschäftsleiterin der Umweltschutzorganisation Mountain Wilderness nennt die Reduktion ein „Scheinzugeständnis“. Die beiden GLP seien ohnehin nur wenig frequentiert und würden die echten Probleme des Heliskiing nicht lösen. Diese sieht die Umweltschutzorganisation primär im Monte Rosa Gebiet und im Lötschental. „Der GLP im Monte Rosa gebiet befindet sich innerhalb eines Objekts des Bundesinventars geschützter Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN)“. Die touristische Nutzung dieser Landeplätze stehe in krassem Widerspruch zum Entscheid, diese schützenswerten Landschaften zu erhalten, so Conradin weiter.

 

Auch die Heliunternehmen sind unzufrieden

Die Air Zermatt als die wohl wichtigste Anbieterin von Heliskiing wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Die Basis in Zermatt lies lediglich verlauten, man habe seit 18 Jahren auf einen Kompromiss hingearbeitet, worauf einem der Bundesrat nun die Türe vor der Nase zugeschlagen habe. Gemeinhin führen die betroffenen Heliunternehmen ins Feld, die Flüge seien wichtig für Ausbildungszwecke im Hochgebirge unter schwierigen äusseren Bedingungen.

 

Wertschöpfung durch Heliskiing marginal

Diesen Ausführungen widerspricht Mountain Wilderness: „Der Beitrag des Heliskiing an die touristische Gesamtwertschöpfung ist minimal“. So weist denn auch der touristische Interessensnachweis des Kanton Wallis zum Thema Heliskiing eine Wertschöpfung von ca. 1 Promille aus, die auf Flüge für Heliskiing entfallen. Folglich sei dieses wirtschaftlich kaum von Relevanz und weiter noch: „Heliskiing findet meist bei schönem Wetter und wenig Wind statt. Das sind einfache Flüge die kaum zur Ausbildung eines Piloten beitragen“. Das sei vergleichbar mit dem Lerneffekt eines Autofahrers auf der Autobahn. Dieser sei wie bei Flügen für das Heliskiing verschwindend klein, wie die Umweltschutzorganisation weiter ausführt.

 

„Verzicht auf Heliskiing steigert Attraktivität einer Destination“

Interessant wird es, wer einzelne Gedanken weiterspinnt. So werden in den touristischen Interessensnachweisen nebst den Konfliktfeldern Lärmbelastung auch Zielkonflikte im Bereich Marketing aufgeführt, die durchaus auch Nachteile für die betroffenen Regionen mit sich bringen könnten. In Zeiten, in denen der sanfte Tourismus für einen Teil der Gäste immer wichtiger wird, kann ein erlebnisorientiertes Angebot wie das Heliskiing Gäste auch von einem Aufenthalt in der betroffenen Destination abhalten. Mehr noch: „Heliskiing bringt ausser etwas Einnahmen für die Bergführer und Heliunternehmen primär Lärm in ein Bergtal, jedoch keine touristische Wertschöpfung. Die Touristen haben ja nicht mal Zeit, einen Kaffee zu trinken“ wie Katharina Conradin weiter ausführt. Hotelleriebetriebe wie jene im Lötschental leiden so nur unter den Lärmemissionen und werden gleichzeitig von der Wertschöpfungskette ausgeklammert. In Bezug auf die Bedürfnisse der Gäste sieht sie daher einen Verzicht auf Heliskiing eher als Chance denn als Verlust.

 

Nach dem Abbruch des Beurteilungsverfahren steht somit lediglich fest: Die Anzahl Gebirtslandeplätze wird um zwei auf deren 40 reduziert. Der Zwist um das Heliskiing ist damit aber noch längst nicht vorbei. Mountain Wilderness behält sich sowohl politische als auch rechtliche Schritte vor.

 

Weiterführende Informationen sind auf der Website von Mountain Wilderness zu finden.

 

Video von der Mountain Wilderness Demo oberhalb der Monte Rosa Hütte:

 

 

Profile photo of Manuel Scherrer

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