Crashpad-Sofas laden zum verweilen ein

Ungewohnt anders: Die neue Boulderhalle Blockfeld in Winterthur

Seit gut zwei Wochen ist die neue Boulderhalle Blockfeld offen. Das Resultat darf sich sehen lassen, einige Details sind aber gewöhnungsbedürftig bis mühsam. Ob sich das Angebot durchsetzt, wird sich zeigen. Ein Augenschein vor Ort. 

 

 

Der erste Eindruck überzeugt – wenn man die Halle denn mal gefunden hat. Der Eingangsbereich, bestehend aus Kasse, Bistro und kleinem Klettershop ist in schönem Holz gehalten und vermittelt zumindest optische Wärme. Denn im Winter kann es in der ehemaligen Lagerhalle gerne mal etwas kälter werden. Dies ist einer der vielen Faktoren, welche einem im Blockfeld das Gefühl vermitteln, man befinde sich gerade an einem Outdoorspot in den  Bergen anstelle einer Boulderhalle mitten in der Stadt.

 

Optisch überzeugendes Konzept

Dazu trägt auch das optische Konzept bei: Ganz im Jargon des Blockfeld heisst das Bistro „Biwak“, den Weg dorthin säumen Birken, anstelle eines Anfahrtsplan werde man demnächst noch den „Zustieg“ auf der Website vermerken und die Routenübersicht nennt sich „Topo“. Dieses übrigens wie so vieles im Blockfeld digital: Einschreiben via Tablet, Unterschrift auf den Trackpad wie bei der Post, und das besagte Routenbuch auf topo.blockfeld.ch – ganz das Social Bouldering Network – oder so ähnlich. Online können die Boulder abgehakt, bewertet und „geliked“ werden. Dieses und viele andere Details sind innovativ und gewöhnungsbedürftig zugleich – ob sie funktionieren wird sich zeigen, man darf gespannt sein.

 

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optisch überzeugendes Konzept mit Birken & Biwak

 

 

Gewöhnungsbedürftige Blöcke

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig sind die glatten Platten an den Boulderblöcken. Anders als in den meisten Kletter- und Boulderhallen wurden keine sandbeschichteten Platten verwendet, sonder ausschliesslich Elemente mit glatter Oberfläche. Dies führt dazu, dass man des öfteren abschlipft, insbesondere beim Versuch, die Position mit zu stabiliseren, zu stemmen, oder sich an einer Kante festzuhalten. „Wir haben aus diversen Faktoren bewusst kein sandbeschichteten Platten verwendet“ erklären die Betreiber auf Anfrage. „Wir wollten wie so vieles im Blockfeld möglichst realitätsnah gestalten, dafür gehört für uns auch, dass die Platten und Kanten nicht griffiger sind als draussen“. Im Praxistest bleiben aber einige Fragezeichen und es bleibt schleierhaft, welche Felsart mit diesen glatten Platten genau simuliert werden will: Der rauhe Granit von Cresciano oder der körnige Sandstein von Fontainebleau?

 

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Ein Blick ins Blockfeld.

 

 

Interessante Routen

Wesentlich positiver bleiben die geschraubten – exgüsé – geklebten Boulder in Erinnerung. Im Blockfeld sind sämtliche Griffe schwarz gehalten, die Routen lediglich mit farbigen Klebern markiert. „Dies macht uns im definieren neuer Routen wesentlich flexibler“ wie die Initianten des Blockfelds erklären. Auch dieses Detail ist gewöhnungsbedürftig, macht das Finden der richtigen Linie aber auf jeden Fall anspruchsvoller und deshalb realitätsnaher. Ebenfalls zu überzeugen mag die Anordnung der Blöcke. Vom (fast) Highball bis zur geneigten Platte ist alles vorhanden und vermittelt zusammen mit den erwähnten Temperaturen einen Hauch Cresciano.

 

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Griffe und Tritte komplett in Schwarz gehalten.

 

Eine Halle für die Szene

Abschliessend lässt sich sagen, dass sich das Angebot des Blockfeld wie erwartet in erster Linie an die explizite Boulderszene richtet. So kennt man die glatten Platten ebenfalls vom Zürcher Szeneschuppen „Minimum“, und bei einem Augenschein vor Ort trifft man keineswegs die gleichen Gesichter wie im benachbarten „Sechsaplus“. Gut ein Jahr nach Eröffnung des „Sechsaplus“ nochmals eine Boulderhalle zu eröffnen ist auf jeden Fall mutig, die Bemühungen, sich von diesem zu differenzieren sind aber klar ersichtlich. Ob diese gelungen sind oder nicht, ist subjektiv – ein Augenschein vor Ort für eine eigene Meinung sei aber jedem empfohlen.

 

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Das gemütliche Biwak.

Boulderhalle Blockfeld Winterthur

 www.blockfeld.ch

 

Öffnungszeiten:

Mo – Fr: 12:00 – 23:00
Sa: 10:00 – 23:00
So: 10:00 – 20:00

 

Preise:

Einzeleintritt:

– 11 Jahre: 10 CHF

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Crashpad-Sofas laden zum Verweilen ein im Birkenwald. Daunenjacke im Winter empfehlenswert!

12-24 Jahre: 15 CHF

25+ Jahre: 20 CHF

11er Karte (nicht übertragbar):
100 CHF (-11 Jahre)
150 CHF (12-24 Jahre)
200 CHF (25+ Jahre)

Jahresabo
380 CHF (-11 Jahre)
600 CHF (12-24 Jahre)
750 CHF (25+ Jahre)

   

 

  • gemütliches "Biwak"

 

Wie gefällt Euch das Blockfeld? Schreibe uns deinen Kommentar!

 

Profile photo of Manuel Scherrer

5 comments

  1. JoelS 3 Dezember, 2015 at 12:24 Antworten

    „(…) Platten und Kanten nicht griffiger sind als draussen“. Ich kann also davon ausgehen, dass die Betreiber noch nie draussen gebouldert haben. Naturfels hat sogar noch mehr Grip als sandbeschichtete Platten. Wie kann man nur solche glatten Platten verbauen …

    • Profile photo of Manolo
      Manu 3 Dezember, 2015 at 13:31 Antworten

      Genau das habe ich mich auch gefragt. Und da die Macher definitiv schon draussen geklettert sind für mich der Entscheid nicht ganz schlüssig…
      @Joel: warst du auch schon dort?

    • Dänsn 4 Dezember, 2015 at 09:07 Antworten

      Gleich vorne weg, rauher vielleicht aber besser zu halten?! Schon mal nen richtigen Auflegerkantenboulder (z.b. Hotel California) geklettert? Dann weisst du das die zwar griffiger sind, sich über die grossen Kantenradien ähnlich schlecht halten lassen wie die Kanten im Blockfeld. Solche Radien lassen sich aber in Hallen schwer nachbilden weil du dann auch immer wieder dieselben Züge hast bzw. du an so grosse Radien ja keine Griffe mehr dranschrauben kannst.
      Lassen wir den Rauheitsvergleich aber mal aussen vor. Die glatteren Kanten haben einen massgeblichen Vorteil, es ergeben sich dadurch nicht die immer gleichen rettenden Züge zur super griffigen Kante. Das gibt den Routensetzern viel mehr Möglichkeiten. Für stärkere Boulderer sind die Kanten dann aber sehr wohl haltbar, gibt ja im Blockfeld auch schon genug Boulder wo das so umgesetzt ist. Wenn ich als Routensetzer möchte das du in leicheteren Bouldern die Kante halten kannst dann schraub ich dir da auch nen flachen Griff oder nen Spax hin.
      Liebe Grüsse von einem der Schrauber 😉

      • Profile photo of Manolo
        Manu 4 Dezember, 2015 at 11:25 Antworten

        Danke für deine ausführliche Antwort Dänsn! Darüber, wie rauh die Kanten sind kann man sicher diskutieren. Ich finde es nachwievor sehr ungewohnt, aber so wird natürlich eine zusätzliche Schwierigkeit geschaffen, da bin ich einig. Mich stört es vorallem für die Beinarbeit. Outdoor ist sind es ja eben genau die rauhen Platten und kleinen Leisten, einen Fuss frontal in die Wand auf Reibung, Stabiliseren usw. was für mich als Hobbyboulderer das Bouldern ausmacht….

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