Stephan Siegrist bei der Erstbesteigung des Shiepra (5885 M.ü.M.) im indischen Himalaya.

Stephan Siegrist erzählt von seinem Trip in die Kishtwar-Region

Anfang Oktober kehrten Andreas „Dres“ Abegglen, Thomas Senf und Stephan Siegrist von einem erfolgreichen Trip in der Kishtwar-Region in Nord-Indien zurück. Eine magische und abgelegene Gegend, welche die drei zum ersten Mal 2011 besucht hatte. Im Mammut-Basecamp erzählt er von seinen Erlebnissen.

 

Text und Bilder zur Verfügung gestellt von Mammut.

 

Wir verliessen die Schweiz Anfang September und wurden in Kaschmir von späten und starken Monsun-Regenfällen begrüsst. Mit einer grossen Portion Glück und viel Entschlossenheit erreichten wir unser erstes Basislager am 13. September, trotz der starken Überflutungen und der sehr schlechten Strassenbedingungen.

 

Stephan Siegrist im Kontakt mit der lokalen Bevölkerung

Stephan Siegrist im Kontakt mit der lokalen Bevölkerung

 

 

Da wir sehr darauf bedacht waren, die verlorene Zeit wieder gut zu machen, kletterten wir die Südseite des bisher noch unbestiegenen Shiepra hoch, wobei wir auf 5100 m Höhe unsere Biwaks aufschlugen. Am 16. September erreichten wir den 5885 m hohen Gipfel, wobei wir die Route folgendermassen einstuften: Schwierigkeiten bis zu WI3, IV, 75° Eis. Der Abstieg führte uns über die exponierte West Ridge, über eine Reihe von Abseilstrecken, gefolgt von einem Eishang mit einer Neigung von 50° . Die neue Route trägt den Namen Maaji, was auf Hindi Mutter heisst. Wir überliessen die Ehre der Gipfeltaufe unserem Liaisons Officer Ran Jan, der dem Berg den Namen Shiepra gab, nach der Frau der hinduistischen Gottheit Schiva.

 

Foto: Thomas Senf

 

Stephan Siegrist bei der Erstbesteigung des Shiepra (5885 M.ü.M.) im indischen Himalaya. Zusammen mit Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt ihm die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel  (5895 M.ü.M.).  Als Erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

Stephan Siegrist bei der Erstbesteigung des Shiepra (5885 M.ü.M.) im indischen Himalaya. Zusammen mit Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt ihm die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel (5895 M.ü.M.). Als Erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

 

 

Zu diesem Zeitpunkt war das Wetter ideal und die Prognosen waren vielversprechend, weshalb wir uns aufmachten, um eine weitere Erstbesteigung eines in der Nähe gelegenen Gipfels in Angriff zu nehmen. Unter dem Grat, der zum Gipfel führt, befindet sich eine gut sichtbare Felsstruktur, die dem bekannten ‚Playboy-Hasen‘ ähnelt. Deshalb hatten wir auch schnell einen passenden Namen für den Gipfel gefunden: wir nannten ihn Kharagosa, was auf Hindi Hase bedeutet.

 

Stephan Siegrist betrachtet das Ziel Kharagosa (5840 M.ü.M.), Kishtwar, Himalaya, Indien. Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel  (5895 M.ü.M.).  Als erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

Stephan Siegrist betrachtet das Ziel Kharagosa (5840 M.ü.M.), Kishtwar, Himalaya, Indien. Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel (5895 M.ü.M.). Als erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

 

Thomas, Dres und ich schlugen unsere Biwaks auf einer Höhe von 4800 m auf, unter der Nordostseite, und setzten unsere Tour über den Gletscher fort bis hin zur Basis der Ostseite. Dann kletterten wir 1000 m weiter nach oben über schwieriges, gemischtes Gelände. Drei anspruchsvolle Steigungen der Stufe V, gemäss UIAA-Schwierigkeitsskala, führten uns zur Südostseite, hin zu einfacherem Terrain und dem 5840 m hohen Gipfel, den wir am 21. September erreichten. Die neue Strecke Pinky hat ihren Namen von der schönsten Frau des nahe gelegenen Dorfes Sumcham.

 

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen im Biwak

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen im Biwak

 

Nach unserer Besteigung des Kharagosa blieb uns noch etwas Zeit, sodass wir unsere Sachen packten und unser Basislager unten an den Kishtwar Shivling verlagerten, den wir am 29. September erreichten. Die Nordseite dieses technisch anspruchsvollen und beeindruckenden Bergs wurde zum ersten Mal 1983 von den Briten Stephen Venables und Dick Renshaw im Rahmen einer siebentägigen Tour bestiegen. Die politischen Spannungen zwischen Pakistan und Indien haben dazu geführt, dass dieses Gebiet knapp zwei Jahrzehnte lang mehr oder weniger unbegehbar war. Erst kürzlich sind ausländische Bergsteiger wieder in
die Region zurückgekehrt, um sie zu erforschen.

 

Foto: Thomas Senf

 

 

Mit dem Ziel, diesen wunderschönen Gipfel zum zweiten Mal zu besteigen, kletterten wir entlang dem East Pillar, der bereits das Ziel früherer Expeditionen war. Unseren ersten Biwak-Stopp machten wir auf dem Gletscher in 4700 m Höhe, bevor wir einer 50°-Rampe folgten, hin zum Sattel bei 5400 m. An diesem Punkt schlugen wir unser zweites Biwaklager auf und kletterten anschliessend 10 anspruchsvolle Steigungen mit über 90° WI5 Eis weiter, durch einen versteckten Couloir, der Erinnerungen an den berühmten Super Canaleta auf dem patagonischen Fitz Roy zum Leben erweckte. Anschliessend ging es weiter auf gemischtem Gelände hin zum Fuß der überwältigenden Gipfelwächten.

 

Stephan Siegrist und Dres Abegglen bei der Erstbegehung am Kishtwar Shivling. Expedition Kishtwar, Himalaya, Indien. Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel  (5895 M.ü.M.). Als Erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

Stephan Siegrist und Dres Abegglen bei der Erstbegehung am Kishtwar Shivling. Expedition Kishtwar, Himalaya, Indien. Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen gelingt die Zweitbesteigung des Kishtwar Shivling im Kashmir Himalaya über eine neue Route auf den Ostgipfel (5895 M.ü.M.). Als Erste überhaupt stehen sie auf den Gipfeln des Kharagosa (5840 M.ü.M.) und des Shiepra (5885 M.ü.M.). Als Erstbesteiger sind sie die Namensgeber der beiden letztgenannten Berge.

 

Am 1. Oktober waren die Götter auf unserer Seite: Dres, Tomas und ich hatten das Glück und stolperten per Zufall über ein Loch in der Wächte, das gross genug war, um hindurch zu klettern, sodass wir den 5895 m hohen Ostgipfel erreichen konnten. 14 Abseilungen später erreichten wir wieder den Sattel, wo unsere Zelte auf uns warteten. Am nächsten Morgen machten wir uns an den Abstieg zurück in das Basiscamp. Die neue Route wurde Challo benannt, was auf Hindi so viel bedeutet wie los geht’s.

 

Die erfolgreiche Besteigung eines so komplexen und wunderschönen Bergs wie dem Kistwar Shivling war für mich eine absolute Belohnung.
Kaschmir ist für mich ein Ort, an dem ich einfach nur aus Freude an den Bergen klettere und eine Region, die ich durch und durch schätze und respektiere. Nachdem wir alle wieder heil nach Hause gekommen waren, mit Rucksäcken voll Erinnerungen, unvergesslichen Kletterrouten und zahlreichen gemeinsamen fröhlichen Stunden, hat sich meine Bindung zu dieser unglaublichen und atemberaubenden Region noch verstärkt.

Weitere Infos zu den Mammut-Athleten findet ihr hier.

 

  • Stephan Siegrist auf den letzten Metern vor dem Kishtwar Shivling Ostgipfel.

 

Die diesjährige Expedition war nicht der erste Trip in die Region. Im Rahmen des 150-Peak-Projects war Stephan Siegrist schon mal in der Region:

 

 

 

 

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