Boulder Weltcup Meiringen

Soll das Klettern olympisch werden?

Das Klettern hat sich vom Szene- längst zum Breitensport entwickelt. Während vielerorts neue Kletterhallen und Bergsportshops wie Pilze aus dem Boden spriessen, ist das Klettern auf olympischer Ebene schlicht inexistent. Für die olympischen Spiele in Tokyo 2020 soll sich das nun ändern. Darüber sind aber gerade die Athleten enttäuscht. 

Gross war die Ernüchterung im vergangenen Jahr, als anstelle des Kletterns Sportarten wie Softball, Karate und Skateboarden ins olympische Programm für die Sommerspiele von 2020 in Tokyo aufgenommen wurden. Nun aber Anfangs Juni die überaschende Kehrtwende: Auf Antrag des Gastgeberlandes Japan soll das Klettern nun doch olympisch werden. Eine IOC-Reform machts möglich, dass das durchführende Land selbst Vorschläge für eine Aufnahme weiterer Disziplinen machen kann.

 

Schweizer Kletterer enttäuscht

Seitens des IOC spricht man von einem historischen Tag, ein Traum sei in Erfüllung gegangen, wie Kit McConnell gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärt. Weniger euphorisch sind aber die Rückmeldungen der Athleten, wie eine Umfrage von AlpineBlog.ch unter Schweizer Spitzen Athletinnen und Athletinnen zeigt. Der Grund: Es werden nicht etwa die bewährten Disziplinen Lead, Bouldern und Speed einzeln ausgetragen, sondern ein einzelner Medaillensatz im Rahmen einer Kombi vergeben.

 

„Kein Sprinter würde an einem Marathon teilnehmen“

Natalie Bärtschi

Natalie Bärtschi

Das kommt vielen Athleten ungelegen.“Um darin gut zu sein, muss man fast schon wie ein Leichtathlet trainieren, die Vorbereitung findet mehr in der Kraftkammer als in der Wand statt“, erklärt der Österreichische Weltklasse Kletterer Jakob Schubert gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Und auch in der Schweizer Szene klingt es ähnlich. Natalie Bärtschi, Mitglied des Nationalteams erklärt findet, „das Kombi-Format wiederspiegelt kaum den Klettersport wie wir ihn kennen, es wäre eher vergleichbar mit dem Mehrkampf in der Leichtathletik.“ Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte in Kraft, Ausdauer und Technik sei es beinahe unmöglich, in allen Disziplin zur Weltspitze zu gehören. Somit würden zwar vielfältige Athleten, welche in allen Disziplinen passabel sind zum Zug kommen, jedoch nicht die weltbesten Athleten, welche sich auf eine Disziplin spezialisiert haben, wie sie weiter erklärt.

 

Es würdeauch kein Sprinter bei einem Marathon teilnehmen

Rebekka Stotz über die geplante Kombi von Lead, Bouldern & Speed.

 

 

Petra Klingler

Petra Klingler

Gleicher Meinung ist auch ihre Nationalmannschaftskollegin Rebekka Stotz: „Für mich sind die drei Disziplinen völlig unterschiedlich (v.a. das Speed-Klettern). Dies sollte auch so beibehalten werden. Es wird auch kein Sprinter bei einem Marathon teilnehmen.“ Für Petra Klingler, eine der erfolgreichsten Schweizer Wettkampfkletterinnen ist es „die Kombination aus Kraft, Dynamik, Ausdauer, Beweglichkeit, Intelligenz, Taktik und vielen weiteren Fertigkeiten und Fähigkeiten die den Sport einzigartig machen“. Ob wohl sie gerne im Speed antrete, kommen für sie diese Aspekte in einer Kombi viel zu wenig zur Geltung.

 

Olympia sorgt für nötige Aufmerksamkeit

Rebekka Stotz

Rebekka Stotz

Trotz allem freut man sich im Schweizer Lager aber über die Aussicht, in vier Jahren möglicherweise in einer olympischen Disziplin antreten zu können. Dies würde der momentanen Randsportart Klettern mehr Aufmerksamkeit und somit auch mehr Sponsorengelder verschaffen. Noch immer können Wettkampfkletterer kaum von ihrem Sport leben, und sind nebst den Sponsorengeldern in erster Linie auf die Unterstützung der nationalen Verbände angewiesen. Dies bringt aber nicht nur Vorteile, Petra Klingler geht davon aus, dass sich das Verhältnis unter den Athleten möglicherweise verändern wird: „Ich kenne keine Sport, wo Konkurrenten miteinander nach Lösungen für ein Boulderproblem suchen, wie es in einem Weltcup-Final der Fall ist. Wird Klettern olympisch, könnte diese enge Beziehung zwischen den Athleten und auch ganzen Teams gefährdet sein“ befürchtet sie.

 

Ob die drei Kletterinnen in Tokyo selbst noch mit dabei sein werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch in den Sternen. Rebekka stotz lässt es offen, ob sie als Athletin, Trainerin, oder Physio dabei sein wird. Natalie Bärtschi glaub kaum, dass sie an Olympia dabei sein wird. Die Teilnehmerzahl sei stark beschränkt, ihre Fähigkeiten im Lead hielten sich in Grenzen und bis dann habe sie ihr Studium abgeschlossen und wisse nicht, wieviel Zeit ihr neben der Arbeit noch fürs Training bleibt. Ein weiterer Beleg dafür, wie schwierig es ist, im Klettern unter den aktuellen Umständen Spitzensport zu betreiben.

 

Was ist Deine Meinung? Soll Klettern olympisch werden? Oder geht dann die Faszination des Kletterns verloren? Schreibe uns deinen Kommentar oder diskutiere mit im Forum!

 

Foto: davidschweizer.ch

 

SAC Swiss Climbing Team

Das Nationalkader, das SAC Swiss Climbing Team, umfasst die 14 Elite-Athleten und 22 Nachwuchsathleten. Vielen Athelten gelingen immer wieder Exploits, insbesondere im Bouldern. Viele Kletterer verabschieden sich jedoch früh aus dem Wettkampfklettern und widmen sich dem Klettern von schweren Routen im Fels oder auf Expeditionen. So sind bekannte Kletterer und Kletterinnen wie Roger Schäli, Stephan Siegrist, Nina Caprez oder Barbara Büschlen ausschliesslich am Fels unterwegs und nicht mehr an Wettkämpfen beteiligt.

   

 

 

 

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Profile photo of Manuel Scherrer

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