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Skitouren auf Skipisten boomt - und kann zu Konflikten führen

Der Skitourenboom geht ungebremst weiter. Während eine Vielzahl der Tourengägner abseits der Skigebiete unterwegs ist, nutzen immer mehr Tourengänger auch Skipisten. Dies kann unter Umständen zu Zielkonflikten führen. Während man sich bei den Bergbahnen dieser Umstände bewusst ist, sind die Tourengänger über Sinn und Unsinn von Skipistentouren geteilter Meinung. Ein Augenschein.

 

Die Finger sind noch etwas steif, kalte Morgenluft zieht in die Lungen hinunter, der Blick schweift noch etwas verschlafen in die frisch verschneite Winterlandschaft. Gleich werden die Schuhe in die Tourenbindung klicken, der frische Pulver knistern unter den Aufstiegsfellen, die Tour kann beginnen. Dies klingt nach einer klassischen Anfangsszenerie einer Skitour abseits vom Rummel der Skigebiete. Doch immer mehr Tourengänger sind auch auf Skipisten unterwegs. Die Gründe dafür sind vielfältig: Freude an sportlicher Betätigung und am Skifahren, Lawinensicherheit in Skigebieten, gute Schneeverhältnisse bei der Abfahrt und die gesellige Einkehr in einer Ski- oder Berghütte. Doch mit diesem Trend sind zwangsläufig Risiken und Konflikte verbunden.

 

Bergbahnen geben sich nur teilweise entspannt

Anders als in Österreich, wo diverse Konflikte bis zur Gerichtsverhandlung geführt haben, ist das Verhältnis auf Schweizer Skipisten noch entspannt. Sowohl bei den Bergbahnen als auch Seiten der Alpinisten ist man sich dem Trend aber bewusst. Bisher sei die Lage aber entspannt, wie beispielsweise die Bergbahnen Hoch Ybrig auf Anfrage mitteilen. Die Tourengänger seien ohnehin lieber abseits der Pisten unterwegs. Ähnlich klingt es im Berner Oberland. Marco Luggen, Leiter Wintersport erklärt: „Wir empfehlen bereits heute unsere Piste 23 (Stepfi) für nächtliches Skitouring“. Mögliche Konflikte sieht man bei Kollisionen mit der Pistenpräperation und Lawinenabgängen. Bisher halte sich der Ansturm aber in Grenzen.

Der SAC und Seilbahnen Schweiz haben sich bereits vor einigen Jahren zu diesem Thema unterhalten: „Neben dem Vorteil, sich in einem abgesicherten Gebiet bewegen zu können, stellen sich dadurch aber auch neue Gefahren. Denn in dieser Zeit werden die Pisten für den folgenden Tag präpariert. Pistenfahrzeuge bewegen sich an fixen Stahlseilen, die über mehrere hundert Meter gespannt sind. Sie sind schon kaum am Tag und erst recht nicht in der Nacht sichtbar. Eine Kollision mit ihnen kann zu schwersten oder sogar tödlichen Verletzungen führen.“ schrieb der SAC damals in einer Mitteilung.

 

Als Folge davon wurden folgende Grundsätze formuliert:

  • Jede Skitourengängerin und jeder Skitourengänger ist für sich selber verantwortlich! Die Skipisten sind nach Pistenschluss gesperrt. Das Seilbahnunternehmen muss in dieser Zeit die Pisten präparieren können. Durch die Pistenbearbeitungsmaschinen besteht Lebensgefahr. Wer trainieren will, muss sich vorgängig bei den Bahnen über die Möglichkeiten und Voraussetzungen dazu erkundigen.
  • Grundsätzlich haften die Skitourengängerinnen und -gänger bei Unfällen selber. Entsprechend gilt dasselbe Verhalten wie bei einer Bergtour ausserhalb der abgesicherten Skigebiete.
  • Bereits präparierte Pistenabschnitte dürfen nicht befahren werden. Um am folgenden Tag wieder einwandfreie Pisten zu haben, sind für Nachttrainings nur solche Abschnitte verfügbar, die erst später präpariert werden.

 

„Leider stellen wir auch immer wieder fest, dass Tourengänger bei der Talfahrt unsere frisch präparierten Pisten kaputt machen.“

Romano Pajarola, Rettungschef Davos Klosters

 

Mangelnde Schneelage birgt Konfliktpotential

So weit, so gut. Eine Möglichkeit für Tourengänger, Pisten Trainings zu benutzen fehlt aber vielerorts. Beim Skigebiet Davos Klosters Mountains war man im letzten Jahr jedoch bereit, mit dem SAC eine Vereinbarung über eine definierte Piste und ein genau definiertes Zeitfenster auszuhandeln, der Alpen Club wollte darauf laut Auskunft von Rettungschef Romano Pajarola nicht eingehen. Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten ortet er durchaus Konfliktpotential: „Unsere Pisten werden vermehrt von Tourengängern genutzt, dies hauptsächlich während den Betriebszeiten der Transportanlagen. Dies ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass zur Zeit fast im ganzen Alpenraum sehr wenig Schnee liegt.“ Während den Betriebszeiten sei es glücklicherweise noch nicht zu Zwischenfällen mit Tourengängern gekommen, „nach den Betriebszeiten der Transportanlagen hatten wir schon einige Vorfälle mit Tourengängern die zum Glück nie zu einem Unfall führten. Da wir für sehr viele Pisten Pistenfahrzeuge mit Seilwinden einsetzen ist es für den Tourengänger sehr gefährlich die Pisten zu benutzen. Leider hatten wir auch immer wieder festgestellt, dass Tourengängern bei der Talfahrt unsere frisch präparierten Pisten kaputt gemacht haben.“

 

Bergsportler sind geteiler Meinung

Über Sinn und Motivation solcher Touren auf Skipisten sind sich Tourengänger jedoch uneins, wie die Einträge in der Bergsportcommunity Hikr.org zeigen. So fragt sich User „georgb“: „Für mich ist das Pistengehen ein Phänomen. Habs mehrfach ausprobiert und finde es unerträglich. Ist mir ein Rätsel, was die Leute antreibt im Gänsemarsch auf Kunsstschnee die Piste hochzurennen.“ Doch es gibt auch andere Meinungen, wie jene von User „Erdinger“ zeigt:  „Ich bin da zwiegespalten. Wenn viel Betrieb auf der Piste ist, dann macht das Ganze nur bedingt Spaß. Einsamkeit und ‚Abenteuer ‚ sind natürlich viel schöner. Allerdings sehe ich schon ein paar Vorteile: bei unsicherer Lawinenlage, bei verharrschtem Schnee oder wenn der Schnee schon wieder arg geschmolzen ist, dann sind Pisten oftmals noch ordentlich befahrbar. Allerdings steht dem wieder die höhere Unfallgefahr durch Gegenverkehr gegenüber.“

Um die Thematik zu entschärfen, hat der SAC einen entsprechenden Infoflyer übers Skitourengehen auf Skipisten publiziert, welcher die Verhaltensregeln definiert, und gleichzeit nächtliche Tourengänger vor tödlichen Unfällen schützt.

 

9 Regeln für sicheres Skitourengehen auf der Piste:

  1. Aufstiege und Abfahrten erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.
  2. Aufstiege nur am Pistenrand vornehmen (FIS-Regel Nr. 7). Dabei hintereinander, nicht nebeneinander gehen. Auf den Skibetrieb achten.
  3. Besondere Vorsicht vor Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen, bei Vereisung und beim Queren der Pisten. Keine Querungen in unübersichtlichen Bereichen.
  4. Keinesfalls gesperrte Pisten begehen. Lokale Hinweise und Routenvorgaben beachten.
  5. Größte Vorsicht und Rücksichtnahme bei Pistenarbeiten. Bei Einsatz von Seilwinden sind die Skipisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es besteht Lebensgefahr!
  6. Frisch präparierte Skipisten nur in den Randbereichen befahren.
  7. Auf alpine Gefahren, insbesondere Lawinengefahr, achten.  Keine Skitouren in Skigebieten durchführen, wenn Lawinensprengungen zu erwarten sind.
  8. Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.
  9. Regelungen an den Parkplätzen sowie Parkgebühren respektieren.

Hier gibts den Flyer als Download

   

 

 

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