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Vom abgelegenen Läntatal aufs Rheinwaldhorn

Das Rheinwaldhorn bietet im Frühling bei optimalen Bedingungen eine lange, optimal nach Norden ausgerichtete Gletscherabfahrt bis fast zur Läntahütte. Genussvoll, solange die Sonne den Firn aufzuwärmen vermag. Einmal mehr wurde zudem deutlich, wie ungünstig Schneeschichten den Winter 2016 prägten. 

 

Für ein verlängertes Wochenende bieten sich im Gebiet rund um die Läntahütte folgende Touren an:

 

Nach einer ausgiebigen Pause auf der sonnigen aber windigen Terrasse vor der Hütte wurden wir am Vortag kulinarisch verwöhnt. Gestärkt durch eine währschafte Polenta mit Ragout am Vorabend und einem ausgiebigen Frühstücksbüffet inklusive Sonntagszopf (am Freitag wohlgemerkt) starten wir um Punkt 6 Uhr in der früh Richtung Rheinwaldhorn. Ziemlich genau 1300 Höhenmeter werden wir an diesem Tag absolvieren. Die ersten 300 davon werden mühelos bewältigt. Man folgt dem Valser Rhein auf der rechten Seite ziemlich genau dem Sommerweg und erreicht rasch und einfach die Ausläufer des Läntagletschers. Uns pfeift ein eisiger Talwind entgegen, während die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel des Güfer- und Rheinwaldhorn in morgendliches Rot tünken und einen phantastischen Tag ankündigen.

 

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ein perfekter Tag kündigt sich an

 

Massive Gleitschneelawine bis ins Tal

Was uns aber vielmehr beeindruckt, ist die gewaltige Gleitschneelawine, die an dieser Stelle und noch viel weiter ins Tal hinuter eine eisige Schneise gezogen hat. Während von der Hütte aus eine Abrisskante quer über den ganzen Läntagletscher erahnt werden konnte, wird hier nun das gesamte Ausmass sichtbar. „Eine Folge der instabilen Schneedecke und den ungünstigen Witterungsverhältnissen“, wie uns Hüttenwart Thomas später erklären wird. Eine schwach verfestigte Neuschneeschicht, vom Regen bis auf 3000m durchweicht, hat Mitte April die Hälfte des Läntagletschers mitgerissen und ist auf dem Talboden bis fast vor die Hütte vorgedrungen. Ein weiterer Beweis dafür, das Gleitschneelawinen auch unter 30° Hangneigung gewaltige Ausmasse annehmen können.

Beeindruckt ab den unglaublichen Schneemassen durchqueren wir das Felsband ziemlich genau in dessen Mitte. Die Rinne, für welche die Skis kurz abgeschnallt werden, ist gut dokumentiert und im Gelände leicht erkennbar. Ein paar Steilstufen später stehen wir wieder mit Skis unter den Fellen auf dem Läntagleschter. Noch immer windet es stark, unter diesem Umständen wird wohl nichts aus der erhofften Firnabfahrt. Wir stellen uns vor, welchen Abfahrtsspass die Hänge wohl im Hochwinter mit Pulverschnee bieten würden.

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Gut sichtbar die lange Schneise, welche die Gleitschneelawine ins Tal gerissen hat

 

Steiler Aufstieg und fantastisches Panorama

Zügig steigen wir auf der rechten Seite des Läntagletschers auf ca. 2900m und queren dann langsam links unter den Vorgipfel. Der Aufstieg zieht sich, obschon man aufgrund der eher steilen Spur rasch an Höhenmeter gewinnt. Auf ca. 3200m, kurz unter dem Gipfel schliesslich öffnet sich ein fantastisches Panorama auf die umliegenden Gipfel. Von der Berninagruppe bis in die Urneralpen. Kurze Zeit später stehen wir auf dem Gipfel, ironischerweise genau jetzt ist es absolut windstill.

 

 

Kräfteraubende Abfahrt mit Folgen

Die Abfahrt gestaltet sich weniger komfortabel. Der Wind hat ganze Arbeit geleistet und ein heterogenes Gemisch aus Bruchharsch, Eis und ein paar Metern Presspulver hinterlassen. Von aufgeweichtem Firn keine Spur, obwohl die Maisonne schon kräftig wärmt. Jeder Schwung kostet kraft, in solch alpinem Ambiente aber trotzdem ein Genuss. Weniger genussvoll gestaltet sich die Abfahrt für eine weiteren Tourengängerin. Sie reisst sich mitten auf dem Läntagletscher das Kreuzband, an eine weitere Abfahrt ist nicht zu denken. Handyempfang: Fehlanzeige! Glücklicherweise ist es von hier nicht mehr weit bis zur Hütte, und eine vorangehende Gruppe kann alarmieren. Wieder einmal wird einem bewusst, dass in den Alpen zu weiten Teilen nach wie vor keine Netzabdeckung vorhanden ist.

Noch bevor wir auf den letzten Metern zur Hütte doch noch ein paar Schwünge in frühlingshaftem Sulz geniessen, befindet sich der Rega-Heli auf dem Weg zur Verünglückten Tourengängerin. Gespannt verfolgen wir von der Hüttenterrasse via Feldstecher die Aktion, keine 10 Minuten später befindet sie sich in der Luft auf dem Weg ins Spital. Einmal mehr beeindruckend, wie schnell solche Rettungsaktionen abgewickelt werden, wenn denn die Bedingungen stimmen.

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Gipfelpanorama vom Feinsten

 

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