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Vom Läntatal aufs Güferhorn

Wer einige Tage im Läntagebiet unterwegs ist, für den eignet sich das Güferhorn perfekt für den Ausstieg aus dem Gebiet. Ein langer, gleichmässig geneigter Gletscher, und ein anregendes Couloir bieten einen perfekten Abschluss und Ausstieg aus dem Gebiet.

 

Für ein verlängertes Wochenende bieten sich im Gebiet rund um die Läntahütte folgende Touren an:

 

Der letzte Tag im Läntatal bricht an. Der Wetterbericht verspricht eitel Sonnenschein, es soll nochmals eine knackige Tour mit einem aussichtsreichen Gipfel werden. Zur Auswahl standen Kandidaten wie das Grauhorn, Retour via Furggeltihorn, oder das Güferhorn. Das Grauhorn, wenig bestiegen in den letzten Tagen, mit einigen Steilen Passagen über 40° und aus der Distanz nicht sehr ansprechend scheint uns keine Option. Die gleiche Route retour via Furggeltihorn wäre ein Option, aber nicht eben abwechslungsreich. Als uns eine andere Gruppe von ihrem Zustieg via Güferhorn und vorgefundenem Presspulver auf dem Güfergletscher berichtet, ist unsere Begeisterung geweckt und die Entscheidung gefallen.

 

Schweisstreibender Aufstieg zur Güferlücke

Von der Läntahütte aus erreicht man das Güferhorn via Güferlücke. Dazu wählt man von der Hütte aus auf den ersten 1500 horizontalen Metern die gleiche Spur wie auf Rheinwaldhorn, bis man bei Pkt. 2188 links „abbiegt“ Richtung Güferlücke. Dazu wählt man die Rampe rechts des markanten, im Winter i.d.R. eingeschneiten Bachs. Aufgrund des massiven Lawinenkegels ist die Wegfindung nicht ganz trivial, wir halten uns aber konsequent an die rechte Seite des Bachs, und finden so eine sinnvolle Linie. Anfangs noch mit den Fellen, müssen wir die Skis relativ bald aufbinden. Die Oberfläche gestaltet sich hier sehr inhomogen, mal brechen wir durch, mal finden wir super Trittschnee, mal können wir auf einem Lawinenkegel aufsteigen. Im mittleren, etwas flacheren, Teil können wir erneut auf die Skis wechseln. Man steigt die Rampe bis ca. 2800m Höhe auf, und quert dann in einem Linksbogen oberhalb Pkt. 2695 die Felsausläufer, die zum Punkt zwischen Güferlücke und Schwarzhorn führen. Anschliessend quert man in relativ direkter Linie zur Güferlücke.

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Das Zervreilahorn in siner vollen Pracht. Rechts der markante NO-Grat

 

Wo ist unser Couloir?

Und auf dieser Güferlücke stehen wir nun. Von blauem Himmel nichts und von der Sonne wenig zu sehen, hüllen sich sowohl Güfergletscher als auch Güfernhorn in Nebel. Eine Besteigung scheint uns wenig attraktiv, die Sicht aufgrund des diffusen Lichts gleich Null. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung: Die Gruppe von gestern Abend hat uns von einer einfach zu fahrenden Rinne erzählt, welche wir nun für den Rückweg durchsteigen wollen. Die einige, laut Karte plausible Rinne sieht aber mehr nach einer senkrechten Schneewand denn einem fahrbaren Couloir aus. Ob das wirklich unser Ausstieg nicht? Später werden wir einmal mehr überrascht sein, wie die Optik je nach Perspektive täuschen kann. Während das Couloir ohnehin die einzige Option ist (nebst dem Abstieg zur Hütte), entscheiden wir uns gegen das Güferhorn und für einen direkten Abstieg zur besagten Lücke. Dafür fahren wir einige Meter auf den Güfergletscher ab und queren dann den Steilhang zum Anfang des Couloirs, dessen Ende sich zwischen Pkt. 2849 und 2781 befindet. Die Traverse ist eher holprig und durchzogen von Lawinenkegeln, je näher wir jedoch kommen desto freundlicher präsentiert sich das Couloir. Bei entsprechender Technik und Harscheisen kann es gar mit den Skiern begangen werden, ein Fussaufstieg gestaltet sich aufgrund der Schneedecke eher mühsam.

 

Sulz auf den letzten Metern

Am Ende des Couloirs grüsst aus der Ferne bereits wieder der Zervreilastausee. Nebst nicht vorhandener Sonne gesellen sich nun auch noch Regentropfen dazu, wir fahren also zügig ab und genissen auf dem Weg Richtung Stausee doch noch ein paar schwungvolle Kurven im Frühlingssulz. Wichtig: ordentlich nach links queren, damit man wieder in die Aufstiegsspur findet. Jede andere Abfahrt führt nicht nur um diese Jahreszeit ins Geröll oder Gebüsch.

Bis 2000m können wir abfahren, dannach heisst es zum letzten Mal Skis aufbinden und in ca. 1 Stunde erreichen wir wieder den Parkplatz. Drei tolle Tage, mit etwas wenig Sulz, dafür umso schönerer Aussicht liegen hinter uns. Und während wir zurücklaufen, schweifen unsere Blicke ein letztes Mal übers Zervreilahorn und die NO-Kante. Wir sind sicher, in wenigen Monaten werden wir wieder hier sein, mit Seil, Finken und Karabiner.

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Blick zurück zum Stausee. Diese Bilder stammen vom Aufstieg

 

Anreise:

Zervreila erreicht man via Chur – Flims – Illanz und Vals. Von Vals aus in engen Kurven und durch einen einspurigen Tunnel hoch zum Zervreilastausee.

 

Übernachten:

Als Ausgangspunkt eignet sich das Berggasthaus Zervreila, direkt beim Parkplatz. Biwakieren ist sowohl auf dem Parkplatz als auch bei der Kapelle laut Tafel verboten.

Im Gebiet übernachtet man in der Läntahütte, auf welcher dank Hüttenwart Thomas vorzüglich gespiesen wird.

Thomas gibt jederzeit gerne ausführlich Auskunft über die aktuellen Verhältnisse, Wetterbericht und hat fundierte Tourenempfehlungen auf Lager.

   

 

Profile photo of Manuel Scherrer

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