Winterraum der Chamanna Jenatsch

Schlechte Zahlungsmoral in unbewarteten Hütten

Die Übernachtungszahlen im 2014 waren gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Der verregnete Sommer und der schwache Euro werden als Faktoren genannt. Eine andere Tendenz sollte aber viel mehr zu denken geben.

 

 

 

Der Bergsportboom in der Schweiz ist ungebrochen. Während der SAC bei den Mitgliedern 2014 auf hohem Niveau nochmals zulegen konnte (144 888 Mitglieder) sind die Anzahl Übernachtungen leicht rückläufig (-6.6%, 301 604 Übernachtungen). Dies lässt sich zu einem grossen Teil mit dem verregneten Sommer erklären, hat er doch so manche Bergtour sprichwörtlich „bachab“ geschickt. Ebenso wird die ungünstige Währungssituation mit dem tiefen Euro gehandelt – insgesamt also kein leichtes Hüttenjahr.

Doch nicht nur Petrus und der tiefe Euro trüben die Bilanz. Auch eine weitere Tendenz beeinflusst die Übernachtungsstatistik negativ: Nichtbezahlte Übernachtungen im Winterraum in der unbewarteten Zeit. Zugegeben, der Anteil an Übernachtungen in der unbewarteten gegenüber der bewarteten Zeit halten sich in Grenzen. Umso geben Beobachtungen wie jene von Gipfelbuch-User „Becks“  auf der Monte Rosa Hütte zu denken. Während der Winterraum an einem sonnigen Wochenende im Mai vollbelegt war, fanden gerade mal 8 Übernachtungen den Weg ins Hüttenbuch.

 

Mangelndes Bewusstsein

Eine Problematik, der man sich auf den betroffenen Hütten durchaus bewusst ist: „Wir müssen auch feststellen, dass Alpinisten in der Hütte anrufen um zu wissen, ob sie bewartet ist. Wenn ja, kommt niemand.“ wie Peter Planche, Hüttenchef der Sektion Monte Rosa ausführt. Er prangert dabei das mangelnde Bewusstsein der Alpinisten an, die sich oft nicht im klaren seien, wie aufwändig der Unterhalt einer Infrastruktur wie auf der Monte Rosa Hütte sei. „Diese Alpinisten überlegen überhaupt nicht, wie viel investiert werden muss, um eine Hütte im Hochgebirge zur Verfügung stellen zu können. Bei der Monte Rosa Hütte kommt dazu, dass ein WC mit Wasserspülung zur Verfügung steht. Die Benutzung der Toiletten fordert eine Mehrleistung der ARA.“ so Planche weiter.

 

Konsequenzen unklar

Welche Konsequenzen dieses Verhalten für die Allgemeinheit haben könnte, mag Planche nicht ausführen. „Das können und wollen wir selber nicht entscheiden, sondern ist im Zuständigkeitsbereich des Zentralvorstandes des SAC. Die Winterräume sind nicht für Gratisübernachtungen vorgesehen sondern sind „Schutzräume“. In diesem Sinne wurden auch seinerzeit die Hütten des SAC zum Schutz vor Wetterumschlägen gebaut und sollte eigentlich so bleiben.“

 

Winterraum der Chamanna Jenatsch

Wird nicht überall so ordentlich hinterlassen wie in der Chamanna Jenatsch: Der Winter- respektive Schutzraum

 

„Unordnung noch die kleinste Sauerei“

Doch die unbezahlten Übernachtungen sind nicht das einzige Problem. Dreckiges Geschirr, zerstörtes Mobiliar und gar aufgebrochene Hüttenkassen sind keine Seltenheit. Es gebe zwar keine verlässlichen Zahlen, sagt Bruno Lüthi, Kommunikationsleiter der SAC-Hütten 2013 gegenüber Tages Anzeiger/Newsnet.ch. «Aber aufgrund des Holzbestandes gehen wir davon aus, dass etwa jeder Zweite die Taxe nicht überweist.»

Gipfelbuch-User Becks bringt es schlussendlich auf den Punkt. In seinem Eintrag meint er: „Kinders, wenn ihr in der Lage seid für ein paar tausend Franken/Euro Ski- und Hochtourenausrüstung zu kaufen dann sollten die Übernachtungskosten gerade noch so zahlbar sein. Sonst pennt gefälligst einfach draussen wenn euch das Geld zu schade ist.“

 

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