Toni Zimmermann Weg

ÖV Kletterrouten in bestem Erstfelder Granit

Entspannt, klimafreundlich und ohne Stau. ÖV und Bergsport sind in einem so gut erschlossenen Land wie der Schweiz die perfekte Symbiose. Wenn dann noch der Kuzstieg so kurz, der Fels so kompakt, und die Kletterei so genussvoll ist, kann getrost von der perfekten ÖV-Kletterroute gesprochen werden.

 

Abwechslungsreiche Kletterei, am besten mehrere Seillängen, dazu noch in gutgriffigem Fels und am bsten mit kurzem Zustieg. Dies Zutaten sollten im Klettermenu des Tages enthalten sein. Dies war kurz und knapp formuliert die Quintessenz des Abends zurvor beim Bier auf der Terrasse. Da das Bier gut und der Abend lang wurde, einigten wir uns auf eine moderate Abfahrtszeit.

Bewaffnet mit Kaffee und Zeitung stürzen wir uns ins morgendliche Pendlerleben. Glücklicherweise sind wir nicht zu früh und dazu antizyklisch unterwegs, spätestens im Speiswagen von Zürich Richtung Erstfeld sind war (fast) alleine und geniessen die Ruhe. Ziel des heutigen Tages: Die Mehrseillängen in der Nähe von Erstfeld. Gut erreichbar, kompakter Urner Gneis, das klingt vielversprechend.

Ton Zimmermann Weg Einstieg

Einstieg in die Route „Toni Zimmermann Weg“ und Abendrot. Abendrot führt links der Verschneidung Richtung „Spitz“, erkennbar an den roten Markierungen

 

Entspannte Anreise und kurzer Zustieg

Nach kurzweiliger Anreise erreichen wir Erstfeld. In weiteren 15-20 Minuten stehen wir am Wandfuss, bezeichnenderweise für die Eisenbahnerortschaft Erstfeld auf einem Stück Bahntrasse, oder zumindest etwas ähnliches. Der Zustieg ist gut zu finden. Vom Bahnhof folgt man der Hauptstrasse Richtung Altdorf und erreicht durch das Bitziquartier, einen gut ersichtlichen Waldweg den Wandfuss.

Ebenfalls gut ersichtlich: Der Einstieg. Es gibt total drei Routen. Den „Toni Zimmermann Weg“ (4b), benannt nach dem Ersteller und Erstbegeher der Route, und offensichtlich leidenschaftlicher Bähnler aus Erstfeld. So stammt denn auch ein Teil des alten Routenmaterials offensichtlich aus altem SBB Inventar. Alte Gleishacken erinnern einem an die bewegte Geschichte des Verkehrsknotenpunkts auf der Gotthardlinie. Bezeichnenderweise rot markiert, verläuft 5 Meter links des „Toni Zimmermann Weg“ die Route „Abendrot“. Diese ist für ein 6a zu haben, mit 2. p.a. auch im Schwierigkeitsgrad 5c zu haben. Eine weitere neuere, weiss markierte Route führt wiederum links der „Abendrot“ hoch, Schwierigkeit und Name bis jetzt unbekannt.

Toni Zimmermann Weg

kompakter und strukturierter Fels

 

„Toni Zimmermann Weg“ (4b)

Die Route startet im Wald, entsprechend angenehm der Schatten und die temperaturen, für den späteren Frühling oder den Sommer. Die erste Seillänge ist daher teils noch etwas mosig und staubig, es finden sich aber jederzeit kletterbare stellen. über eine kleine Verschneidung erreicht man den ersten Stand.

Die zweite Seillänge bietet abwechslungsreiche Kletterei in bestem Gneis, und ohne Moos, mit einem hübschen, kurzen, aber unspektakulären Quergang. Plaisir pur!

Die dritte Seillänge bietet ebenfalls abwechslungsreiche Kletterei und führt zu einem Stand mit hübscher Aussicht in die daneben liegende Wand und den Talboden im Hintergrund.

Von diesem Stand aus führt die 4. Seillänge über auf einen Minigrat zum Wandbuch, und von dort in einigen einfachen Zügen auf den Gipfel – in diesem Fall eine Bank mit toller Aussicht aufs ganze Reusstal bis zum Urnersee.

Die Route eignet sich perfekt für ein Warm-Up und ist punkto Quanität und Qualität perfekt abgesichert. In der letzten Seillänge hätten auch einige Haken weniger gereicht. Selbst absichern ist weder möglich noch sinnvoll, als Abstieg eignet sich der Wanderweg bestens. Abseilen wäre möglich, aber wohl eher mühsam.

Toni Zimmermann Weg

interessanter Grat mit moderaten Schwierigkeiten

 

Abendrot (6a, 5b/c obl.)

Als perfektes Upgrade für die zweite Tageshälfte eignet sich die Route Abendrot. Sie beginnt am gleichen Ort und ist mit roter Farbe markiert. Die erste Seillänge führt durch den unteren Wandteil an den ersten Stand. Die zweite Seillänge bietet nach dem zweiten Haken die Schlüsselstelle, ein abwärtsgerichteter Bauch sorgt für Schwierigkeiten um 6a/b, dank der zahlreichen Haken kann die Crux aber auch mit 2. p.a. und um 5b/c erklettert werden.

Schmuckstück dieser Route ist auf jeden Fall die dritte Seillänge. Sie bietet anregende und eher steile Wandkletterei in gut strukturiertem Gneis, und vergleichsweise viel Luft unter dem Allerwertesten. Für Kletterer im 5. Franzosengrad Genuss pur! Zum Ende der 4. Seillänge führt die Route zum Wandbuch und teilt sich die letzte Linie mit seinem Nachbar.

Aussicht bis zum Urner See

Aussicht bis zum Urner See. Foto: David Isliker

 

Perfekte ÖV-Tour für Einsteiger oder den Saisonbeginn

Fazit: Perfekte ÖV-Anbindung, tolle Felsqualität, abwechslungsreiche Kletterei, und zwei Mehrseillängenrouten, die einerseits für ein Warm-Up zu Saisonbeginn oder als Einstieg perfekt geeignet sind. Wer sich im fünften Grad wohl fühlt, ist in der „Abendrot“ bestens versorgt. Die Schlüsselstelle kann problemlos „ermogelt“ wereden.

 

Anreise & Zustieg

Mit dem Zug bis Erfstfeld, anschliessend in ca. 20 Minuten zum Wandfuss. Mit dem Auto kann bestimmt im Ort geparkt werden, im Quartier unterhalb der Wand aber nicht geeignet.

 

Charakter & Fels

Der Fels besteht aus rötlich, bräunlichem Erstfelder Gneis, ist gut griffig und kompakt. Die Kletterei ist abwechslungsreich, die Absicherung perfekt.

 

Nützliche Links:

Ein Führer ist nicht nötig, ein Topo ist hier zu finden. Den Zustieg findet man hier.

   

 

 

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