OLYMPUS DIGITAL CAMERA

"Die grösste Herausforderung ist, ein alter und nicht ein guter Alpinist zu werden"

Roger Schäli gehört weltweit zu den besten Allround-Alpinisten. Als Profi-Kletterer lebt er seinen Traum, reist rund um die Welt, und verzichtet dennoch auf vieles was im wichtig ist. Ein Gespräch über Helilärm am Eiger, Tweets aus der Wand und Klettern bei Olympia.

 

 

 

Ich erreiche Roger Schäli im spanischen Siurana kurz vor seinem Abflug zurück in die Schweiz. Das Wetter in Spanien ist eher schlecht, Schnee und Regen wechseln sich ab während in Grindelwald beste Verhältnisse in der Eiger Nordwand herrschen. Zeit für Schäli, das Basecamp von Katalonien ins Berner Oberland zu verlegen.

 

Roger, du befindest dich gerade im spanischen Siurana. Was sind deine nächsten Pläne?

Ich habe soeben spontan noch einen Flug in die Schweiz gebucht. Das Wetter in den nächsten Tagen soll stabil sein und in der Eiger Nordwand herrschen beste Bedingungen. Daher habe ich eine Besteigung in den nächsten Tagen geplant.

 

Du bist als Profi-Alpinist unglaublich viel unterwegs, bleibt da überhaupt noch Zeit für Freundin und Familie? 

Als Profi-Alpinist habe ich die Möglichkeit meinen Traum zu leben. Dafür bin ich enorm dankbar und das sehe ich als Privileg. Auf der anderen Seite kann es aber auch sehr einsam werden. Vor Ort wie hier in Spanien ist man zwar eine grosse Familie, wenn man aber mal krank ist oder es einem schlecht geht, kümmert man sich nicht gross umeinander. Es ist manchmal auch etwas oberflächlich.

 

Welche Auswirkungen hat dieser Lebensstil auf dein Privaleben? Wie oft siehst du deine Freundin?

Man führt unter solchen umständen halt schon eine Beziehung mit vielen Freiheiten. Anders wäre das gar nicht möglich. Das ist manchmal schon sehr einschneidend. Man sieht seine Familie und Freunde nicht so oft. Erfreulicherweise klettert meine Freundin auch, so können wir manchmal auch zusammen klettern.

 

Klettert sie in ähnlichen Schwierigkeitsgraden wie du?

Nein, das nicht. Aber sie ist eine starke Persönlichkeit und auch so eine gute Kletterin, so dass wir trotzdem ab und zu zusammen unterwegs sin.

 

Im Moment bist du primär für dich und deine Karriere verantwortlich. Was wäre wenn du einmal Kinder hast?

Ich glaube das wäre eine komplett andere Situation. Wenn du Kinder hast kletterst du völlig anders. Aber das ist im Moment noch weit weg aber ich glaube das würde vieles in meinem Leben ändern.

 

Auch in Bezug auf die Finanzierung?

Ich bin im Moment unabhängig und kann ein bis zwei grosse Expeditionen im Jahr durchführen und lebe so meinen Traum. Aber reich wird man als Kletterer bestimmt nicht. Oft lebt man auch von der Hand ins Maul. Mir ist es trotzdem wichtig unabhängig zu sein. Deshalb führe ich weiterhin auch Gäste als Bergführer oder halte Vortrage.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Roger Schäli und David Hefti im Yosemite (Foto: Frank Kretschmann)

 

 

Wer unterstützt dich sonst noch?

Meine Hauptsponsoren wie Salewa & Co unterstützen mich enorm, dafür bin ich sehr dankbar. Sie ermöglichen mir meine Karriere so wie ich sie jetzt führe, ich bin dank der verschiedenen Standbeine aber trotzdem unabhängig.

 

Was wäre wenn ein Sponsor wie RedBull kommen würde? Deren Vermarktungsmethoden sind ja nicht ganz unbestritten?

Das ist eine schwierige Frage! In jungen Jahren hätte ich wohl einfach „ja“ gesagt. Doch ich bin ja auch schon etwas älter und erfahrener geworden. Heute würde ich mir die Frage auf jeden Fall gut überlegen und wahrscheinlich würde ich ablehnen. Ich sehe diese Entwicklung sehr kritisch! Ich war aber gerade in den letzten Tagen mit Chris Sharma und Alex Megos klettern, die haben nun beide auch ein RedBull-Logo auf dem Chalk Bag und verdienen sicher gut damit (lacht).

 

Was denkst du denn über Aktionen wie jene von Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson und deren Vermarktung? Würdest du auch direkt aus der Wand tweeten?

Man darf nicht vergessen was Tommy und Kevin geleistet haben ist einmalig und mit der Leistung eines Olympiasiegs gleich zu setzten. Dass sie so eine Leistung dann auch vermarkten ist ihr gutes Recht. Sie haben schon eine tolle Routen geklettert ohne grosses Aufsehen. Man muss aber auch dran denken dass das Ganze im Yosemite in Amerika von statten gegangen ist und da wird so ein Ereignis nun mal anders vermarktet.

 

Käme das für dich so eine Vermarktung auch in Frage?

Es ist vielleicht nicht mein Stil, aber sag niemals nie! Wenn jetzt ein Sponsor kommen würde und es mit meinem Projekt vereinbar wäre warum nicht. Es dürfte einfach die Konzentration aufs Klettern nicht darunter leiden. Aber grundsätzlich ist diese Art von Vermarktung nicht mein Ding.

 

Was denkst du über Helikopterflüge, bpsw. für Filmaufnahmen?

Das ist ein zweischneidiges Schwert, ganz ehrlich! Grundsätzlich versuche ich so wenig wie möglich zu fliegen, was mit meinen Expeditionen rund um die Welt natürlich schwierig ist. Andererseits lebt man nur einmal. Dennoch versuche ich wo immer es geht auf Helikopter zu verzichten. Ich war auch schon in der Eiger Nordwand und konnte vor lauter Helikopterlärm nicht sprechen. Andererseits habe ich in meinen jungen Jahren als Bergführer auch Heliskiing betrieben. Es ist schwierig sich da festzulegen.

 

RogerSchäli

Foto: Frank Kretschmann

Ein Profi-Alpinist mit Bodenhaftung 

Roger Schäli, 34, gehört zu den besten seines Fachs. Zahlreiche Erstbegehungen im Himalaya und den Alpen gehen auf sein Konto. Alleine die Eiger Nordwand hat er 35 mal bestiegen  und sie zählt mittlerweile zu seinem erweiterten Wohnzimmer. Der gelernte Zimmerman und diplomierte Bergführer wuchs im Sörenberg auf lebt heute sporadisch in Grindelwald. In seiner Jugend waren Legenden wie Christoph Hainz seine Vorbilder. Heute bewundert er auch einen Ueli Steck: „Ueli hat Meilensteine erreicht in der Geschichte des Alpinismus!“

   

 

Kommen wir zum Nachwuchs. Der SAC führt wieder ein Expeditionslehrgang für junge Nachwuchsalpinisten durch. Du warst beim letzten Lehrgang selbst als Coach dabei. Was gibst du den jungen Bergsteigern mit auf den Weg?

Vielen von diesen jungen Athleten sind schon Top-Bergsteiger. Ich habe früher auch gerner Gas gegeben und gebe immer noch gerne vollen Einsatz. Ich möchte ihnen aber auch auf die Risiken sensibilisieren und das Bewusstsein fördern, dass man schnell ein guter Alpinist ist, es aber schwierig ist ein alter Alpinist zu werden. Gleichzeitig möchte ich ihnen aufzeigen was es bedeutet, voll auf die Karte Profi-Alpinist zu setzten. Man gewinnt sehr viel, muss aber noch auf viel mehr verzichten!

 

Was meinst du zu diesem Expeditionslehrgang?

Es ist ein sehr mutiges Engagement aber das beste was der SAC je für den Nachwuchs auf die Beine gestellt hat! Ich habe selbst durch die JO beim SAC zum Alpinismus gefunden.

 

Was meinst du? Müsste Expeditionsbergsteigen oder das Klettern im Allgemeinen in der Schweiz mehr gepusht werden um mehr Aufmerksamkeit zu generieren?

Nein, das danke ich nicht. Die Schweiz ist nicht sehr gross und der Sport ansich schon genug populär. Ich denke nicht dass man da das Klettern noch viel mehr pushen sollte! Ich finde auch nicht, dass Klettern olympisch werden sollte.

 

Die steigende Popularität des Klettern bringt auch Gefahren mit sich, bspw. Regulierungen in Klettergebieten. Dies musstest du in Südafrika schon am eigenen Leib erfahren.

Das ist leider so ja. Wir konnten damals ich Südafrika ein Projekt nicht realisieren weil wir kein Permit erhalten haben. Das gleiche bei mir zuhause am Sörenberg: Es war eine lange politische Diskussion ob das Klettern an bestimmten Orten eingeschränkt werden soll. Da kommen viele Interessen zusammen, von Jägern, Skitourern, Schneeschuhläufern undsoweiter. Von den Kletterern hat man halt einen Namen, von den Skitourengängern und Schneeschuhläufern nicht.

 

0806_7200_ROCK PURE

Der Rock Pure Klettergurt von Salewa

Der Perfekte Begleiter für ambitionierte Projekte

Gefragt nach seinem Lieblingsausrüstungsgegenstand kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Der neue Rock Pure Klettergurt ist der Hammer!“ sagt’s und grinst übers ganze Gesicht.

Der Rock Pure kombiniert Bewegungsfreiheit und Komfort perfekt und ist daher der ideale Klettergurt für ambitionierte Kletterprojekte wie jene von Roger Schäli.

Details zum Gurt und weitere Kletterausrüstung findest du auf der Salewa-Homepage.

   

 

 

Loslassen: Ein Film über Roger Schäli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Profile photo of Manuel Scherrer

Leave a reply

Springe zur Werkzeugleiste