Jonas Jäggi im Einsatz für die SRF-Doku "Hoch Hinaus"

„Wir mussten noch nie irgendwo Material zurücklassen!“ - Alec Wohlgroth Halsundbeinbruch Film GmbH

Mit der 6. Folge der Doku „Hoch hinaus“ ging Anfangs Januar die erste Staffel der Serie zu Ende. Das SRF begleitet dabei Nachwuchsalpinisten des SAC während ihrer Ausbildung zu Expeditionsbergsteigern. Wir haben mit Alec Wohlgroth von der Produktionsfirma Halsundbeinbruch Film GmbH einen Blick hinter die Kamera gewagt. Ein Gespräch über Ethik am Berg, kaputte Kameras und Abenteuer in Südamerika.

 

 

Ich erwische Alec Wohlgroth, Gründer und Geschäftsführer von Halsundbeinbruch Film GmbH „voll im Schuss“. Trotzdem hat er sich Zeit genommen um meine Fragen ausführlich zu beantworten.

 

Alec, danke dass Du dir Zeit nimmst. An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Im Moment sind wir gerade in der finalen Phase für einen aufwändigen TV Spot für die Umweltarena. Zudem steht die nächste Winterchallenge auf dem Plan, in der Eco-Freerider Sten Smola den Madone runter brettert. Uns wird glücklicherweise nie langweilig! (lacht)

 

Klingt spannend. Eure Produktionsfirma besteht nun schon seit 15 Jahren, wie hat eigentlich alles angefangen?

Alles begann mit Freeride Mountainbikefilmen, anfänglich alles Eigenproduktionen. Wir sind seither stetig gewachsen und haben unser Spektrum kontinuierlich erweitert. Heute produzieren wir auch viele Imagefilme für Unternehmen ausserhalb der Sport- und Outdoorbranche. Unsere Kernkompetenz liegt aber eindeutig in Aufnahmen im Gebirge.

 

Eines dieser Produktionen im Gebirge ist die Serie „Hoch hinaus“ fürs Schweizer Fernsehen. Sieht nach einer aufwändigen Produktion aus?

In der Tat. Obwohl diese Serie eher in die Kategorie Low-Budget fällt, waren die Aufnahmen sehr aufwändig und stellten hohe Anforderungen an Mensch und Material.

 

Wie habt ihr denn das ganze Material vom einen Ort zum anderen geschleppt?

Das war ein riesen „Gschleick“! (lacht). Auf unseren Produktionen im Gebirge tragen wir das Material mehrheitlich selbst den Berg hoch. Von den kleinen GoPros bis zum professionellen High-End Equipment kommen da gut und gerne bis zu 17kg pro Person zusammen. Da ist viel Knochenarbeit dabei. Helikopterflüge sind in der Regel schlicht zu teuer. Sollten wir trotzdem mal auf einen zurückgreifen, versuchen wir auch gleich noch Filmaufnahmen von oben zu machen.

 

 

„Eigentlich müssen wir fast mehr leisten als die Protagonisten selber“
Alec Wohlgroth über den Aufwand bei Gebirgsproduktionen

 

 

Scheint als seid ihr mindestens so sportlich sein wie die Protagonisten selbst?

Schön wärs! Wir sind zwar alle leidenschaftliche Bergsteiger, sind aber auch nicht mehr die Jüngsten. Bei der Produktion „Hoch Hinaus“ hatten wir es mit den besten Nachwuchsalpinisten des Landes zu tun. Das sind alles Hochleistungssportler die uns punkto Kondition und Können am Berg meilenweit überlegen sind. Umso anspruchsvoller war es, immer zur rechten Zeit mit dem geeigneten Equipment am richtigen Ort zu sein.

 

Welche Ausrüstung hattet ihr im Einsatz?

Die kleinste Kamera war eine GoPro. Wir haben jedem Teilnehmer eine mitgegeben, mit dem die Jungs dann selber gefilmt haben. Doch das Resultat ist mässig. Du weißt nie genau ob die Kamera läuft und die Akkus halten nicht lange. Aber ab und zu kann man spektakuläre Bilder einfangen. Besser sind da die Handycams von Sony. So eine hatte jede Gruppe dabei. Die ist super handlich und liefert eine überraschend gute Ton- und Bildqualität. Zudem hält der Akku auch bei Kälte mehrere Tage.

 

Einsatz in Venezuela am Salto Angel.

Einsatz in Venezuela am Salto Angel.

 

Das ist schon alles?

Nein, Nein. Zusätzliche hatte jeder Kameramann professionelle DSLR-Kamers von Nikon im Einsatz. Für „Hoch hinaus“ haben wir die Nikon D810 sowie D4 S verwendet. Mit diesen kann man super Zeitrafferaufnahmen machen. Dazu kommen noch Sony Fernsehkameras, jede einzelne wiegt zwischen 4-5 kg und füllt einen ganzen Rucksack.

 

Du hast es angesprochen, die Protagonisten waren ausser den Guides alles junge Nachwuchsathleten? Wie war die Zusammenarbeit mit den Teilnehmern und den Guides?

Das war Anfangs nicht ganz einfach. Man muss ja wissen: Es handelte sich bei dieser Serie in erster Linie um eine Ausbildung für des SAC für seine Nachwuchsalpinisten. Wir versuchten uns soweit als möglich im Hintergrund zu halten. Die Jungs waren durch das Selektionsverfahren ohnehin schon ordentlich unter Druck und empfanden die Filmaufnahmen anfangs etwas störend.

 

Trotzdem sind grossartige Bilder entstanden…
Mit der Zeit haben wir uns dann immer besser aneinander gewöhnt. Es entstand ein Art Vertrauensverhältnis zwischen Filmteam und den Protagonisten welches die Arbeit sehr erleichtert hat. Und schlussendlich, jetzt wo die Serie über den Sender geht und sie das Endprodukt sehen freuen sie sich bestimmt über die Bilder.

 

Nebst der Chemie müssen ja auch die äusseren Umstände stimmen. Welches waren die grössten Herausforderungen beim Dreh?

Durch das, dass wir das Material jeweils immer selbst von A nach B transportieren mussten war die logistische Planung eine echte Herausforderung. Wir mussten innert kürzester Zeit an unterschiedlichen Orten die passenden Bilder einfangen, das war nicht immer ganz einfach. Bei der ersten Folge zum Beispiel zuerst das Drytooling im Tal, und anschliessend den Konditionstest mit den Tourenski am Berg. Obwohl unser Kameramann Alex Wydler, der wirklich topfit unterwegs ist, über 45min vorher gestartet war, schaffte er es nicht rechtzeitig auf den Gipfel um den ersten Teilnehmer einzufangen.

 

„Hoch hinaus“ ist aber nicht eure einzige Produktion im Hochgebirge. Welches waren die weiteren Highlights?

Für mich persönlich sicher ein Highlight war der Dreh einer Sommerchallenge fürs SRF am Matterhorn. Linda Fäh und ihre Kollegin Lorena Oliveri wurden von zwei Bergführern aufs Matterhorn geführt. Wir hatten für die Aufnahmen am Hörnligrat eigentlich extra einen Kameramann eingeplant, der etwas bergerfahrener war als ich. Aber just am Vorabend des Drehs wurde dieser Krank. Somit durfte ich übernehmen. Da ich aber nur für Aufnahmen auf der Hütte vorbereitet war, musste ich in Zermatt auf die Schnelle erst noch die passenden Kleider kaufen! (lacht)

 

 

„Wir sind mit dem Alter weiser geworden!“
Alec Wohlgroth über die Risikobereitschaft während dem Dreh.

 

 

Ein kleines Abenteuer also?

Absolut! Dieser Dreh war sicher einer meiner persönlichen Highlights. Ich war zuvor noch nie auf dem Matterhorn. Das ist es was wir an den Gebirgsaufnahmen lieben. Du kannst nie alles bis ins Detail vorausplanen, jede Produktion ist ein kleines Abenteuer.

 

Klingt aber auch nicht ganz ungefährlich. Wie viel Risiko ist da dabei, und wie sichert ihr euch ab?

Wir sind mit dem Alter weiser geworden! (lacht). Also bei Produktionen im Hochgebirge haben wir immer auch Bergführer dabei. Schliesslich konzentrieren wir uns voll auf unsere Arbeit, das Filmen. Da wäre es zu gefährlich, wenn wir niemanden als Backup hätten der uns sichert. Oftmals entstehen die besten Aufnahmen beispielsweise mit etwas Abstand zur Wand oder der Route welche die Protagonisten wählen. Das erfordert viel Geschick und ist sehr anspruchsvoll. Da lehnen wir uns zum Teil senkrecht aus der Wand mit der Kamera, da ist ein Bergführer der einem am kurzen Seil sichert unverzichtbar.

 

Alec Wohlgroth während des Trainings am Pollux

Alec Wohlgroth während des Trainings am Pollux

 

 

Sprechen wir über andere Filme aufgenommen im Gebirge, beispielsweise jenen über die Besteigung des Cerro Torre von David Lama. Er und sein Filmteam gerieten damals in die Kritik, weil sie zum einen viele neue Bohrhacken geschraubt hatten, zum anderen aber auch einiges an Material in der Wand zurückliessen. Was denkt über solche Aktionen?

Wir dürfen mit gutem Gewissen behaupten, wirklich noch nie irgendwas am Berg zurückgelassen zu haben. Das ist für uns eine Frage des Respekts. Wir sind alle ebenfalls aktive Bergsteiger und lieben die Natur. Bei unserem Dreh für die Sommerchallenge auf dem Salto Angel in Venezuela mussten wir beispielsweise das gesamte Material mehrere Tage durch den Dschungel schleppen, ein Riesenaufwand! Trotzdem haben wir am Schluss jeden kleinsten Alufolienschnipsel wieder eingepackt und über die 1000m hohe Wand abgeseilt. Der Salto Angel ist für die indigene Bevölkerung ein heiliger Ort, und dies wollen wir respektieren.

 

„Wir rechnen mit bis zu 20’000 CHF Materialschaden“
Alec Wohlgroth über die jährlichen Abschreiber

 

Solche aufwändigen Produktionen im Nirgendwo sind bestimmt auch strapaziös fürs Material?

Und wie! Wir rechnen jährlich mit Abschreibern von bis zu 20’000 Franken. Gerade die Feuchtigkeit ist Gift für Kameras. Aber das gehört dazu. Wir sind froh wenn es nur zu Materialschäden kommt. Beim Dreh zur Winterchallenge mit Julian Zanker und Thomas Senf, welche die Eiskletterroute „Flying Circus“ geklettert sind, hat sich kurz nachdem wir den Eisfall verlassen haben eine ganze Eissäule gelöst und ist genau an dem Ort runtergekracht, an dem wir vor einigen Momenten noch gestanden waren. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn wir noch dort gestanden wären. Wir sind also froh wenn unser Name nicht zum Programm wird.

 

Wie viel lässt sich eigentlich im Bezug auf die Geschichte im Vorhinein planen? Habt ihr fixe Storyboards nach denen ihr die Aufnahmen plant, oder filmt ihr mal so viel ihr könnt und macht daraus eine Geschichte?

Es ist immer von beidem was dabei. Du kannst so eine Produktion im Gebirge nie ganz im Voraus durchplanen. Jedoch haben wir schon Vorstellungen welche Bilder wir einfangen möchten. Im Endeffekt ist es dann eine Kombination von Beidem.

 

Alec Wohlgroth – Gründer und Geschäftsführer der Halsundbeinbruch Film GmbH_AW_hubb_1065

Die Halsundbeinbruch GmbH ist eine Filmproduktionsfirma mit Sitz in Zürich Oerlikon. Das Team rund um Gründer, Inhaber und Geschäftsführer Alec Wohlgroth umfasst 8 Festangestellte und mehrere Freelancer. Sie setzt jährlich bis zu 1 Mio CHF um, rund ein Drittel davon stammt aus Filmproduktionen. Weitere Einnahmequellen sind Imagefilme für Firmen und Institutionen auch ausserhalb der Sport- und Outdoorbranche. Insgesamt werden im Jahr rund 300 Produktionen realisiert.

Alec studierte Publizistik und Weinbau, hat Berufserfahrungen als Werbeassistent und TV-Redaktor. 1999 gründete er die Firma und ist seit 2004 Inhaber der GmbH.

 

Hier gehts zur Halsundbeinbruch Film GmbH:

HUBB Logo

 

 

 

 

 

 

  • Alec Wohlgroth während des Trainings am Pollux

Bilder: Halsundbeinbruch GmbH

 

 

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Eine kleine Auswahl an Filmproduktionen aus dem Portfolio von Halsundbeinbruch GmbH:

 

Nalle Hukkataival in Bleau:

 

 

Mit den Missen auf dem Matterhorn:

 

 

 

 

 

Video zur Winterchallenge mit Julian Zanker und Thomas Senf:

 


Video: SRF

 

 

Die beiden Folgen über die Begehung der höchsten Highline der Welt aus der SRF-Sommerchallenge:

 

Folge 1

 

Video: SRF

 

Folge 2

 

Video: SRF

 

 

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