Interessante Strukturen

Die Blöcke von Avegno - Plaisirbouldern im Maggiatal

Es muss nicht immer Cresciano oder Chironico sein. Wer sich beim Outdoorbouldern vorwiegend in den Plaisirgraden bewegt, findet in Avegno ein regelrechtes Boulderparadies. Doch auch die Cracks kommen kommen auf ihre Kosten. Zudem lohnt es sich aus verschiedenen Gründen gleich vor Ort zu wohnen und zu essen. 

 

Es ist kalter Februarabend. Am Alpenhauptkamm liegt noch meterweise Schnee, die Skitourensaison startet in Kürze. Davon zeugen nicht nur die riesigen Schneemauern in Airolo beim Verlassen des Gotthard-Tunnels. Wir sind unterwegs ins Tessin. Jedoch nicht mit Ski und Fellen bewaffnet, sondern mit Bouldermatte und Chalkbag im Gepäck. In Chironico liegt noch zu viel Schnee, Cresciano ist wohl überlaufen. Die Wahl fällt deshalb aufs kleine aber feine Bouldergebiet bei Avegno. In Erwartung, in einem nicht allzu überlaufenen Gebiet bouldern zu können werden wir in den kommenden Tagen (fast) keine Menschenseele antreffen.

 

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Sonne satt – und das im Februar

 

Für Langschläfer

Der andere Morgen beginnt gemütlich. Zurecht, denn das Bouldergebiet oberhalb des Dorfes erhält in den anfangs Jahr erst gegen 11 Uhr Sonne. Ab dann dafür aber den ganzen Tag. Die ersten Blöcke beginnen gleich im malerischen Kastanienwald am Rande des Dorfes. Ein einzelner Block steht gar mitten im Dorf – Zustieg vom Parkplatz: keine Minute. Avegno eignet sich perfekt für die Wintermonate. Die Bäume tragen noch kein Laub, schnell trocknende Blöcke und Sonne satt sind die Folge. Während in der oberen Leventina und im Bedretto die Skitourensaison im vollen Gange ist, klettern wir im T-Shirt und mit Sonnenbrille.

 

Das Hauptbouldergebiet befindet sich oberhalb des neuen Dorfteils, zwischen Avegno di Fuori und Avegno Chiesa. Mit dem ÖV fährt man am besten bis Avegno Paese, und schlendert in gemütlichen 10 Minuten zu den Sektoren Centrale, Sinistra und Destra. Für Plaisirboulderer eignen sich die Sektoren Centrale und Sinistra perfekt. Sie bieten auch in den Fb-Graden 4 und 5 eine gute Auswahl. Freunde der Fb-Grade 6 aufwärts finden auch an der Maggia und im Sektor Di Fuori genügend Probleme die auf eine Begehung warten. Die Blöcke variieren von klein bis gross, die Routen von kurz bis lang, repektive hoch. Sie bestehen aus dem bestens bekannten Tessiner Gneis und sind gwohnt rau und griffig.

 

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Der empfehlenswerte Boulderführer „Avegno Boulder“

 

Bestens dokumentiert

Eine perfekte Übersicht bietet der kleine und feine Boulderführer „Avegno Boulder“. Produziert und hergestellt mit viel Herzblut von einer Gruppe Locals lässt der Führer keine Wünsche offen. Die diversen Sektoren sind detailliert beschrieben, mit übersichtlichen Topos und praktischen Kartonumschlägen die als Buchzeichen benützt werden können. Sämtliche Blöcke sind in Form von Farbtopos dokumentiert, die Orientierung ist so ein Leichtes.

 

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unterschiedliche grosse/hohe Blöcke bieten Probleme für sämtliche Schwierigtkeitsgrade

 

Mittlerweile ist es früher Nachmittag, die Sonne wärmt Fels und Gemüt – Zeit für einen Mittagsschlaf. Eine Mokka Kaffeemaschine sollte auf keinen Fall fehlen. Doch schaue sich um wer sich niederlasse. In dem Moment, als wir uns setzen wollen, verschwindet eine Kreuzotter (?) hinter den Blöcken. Ein nicht ungefährlicher Exemplar, wie wir später von unserer Gastgeberin (vgl. Übernachten) erfahren. Indikator dafür die schlitzförmige Pupille, die im Gegensatz zu den runden Pupillen giftige Exemplare erkennbar macht. Mit genügend Umsicht ist ein friedliches Nebeneinander natürlich problemlos möglich.

 

Wer in Avegno bouldern will, sollte sich gleich ein paar Tage Zeit dafür nehmen. Und wer es gerne gemütlich mag, ist sehr gut beraten, sich gleich eine der zahlreichen Unterkünfte in Avegno selber zu buchen. Gründe dafür gibt es genug: Es gibt unzählige sanft rennovierte Rusticos im alten Dorfkern (Avegno di Fuori) welcher im Übrigen gleich am Rande des Bouldergebiets liegt. Zudem sind die Ferienwohnungen deutlich günstiger als in Locarno. Avegno ist sowohl mit Auto als auch ÖV bestens erreichbar, und wer noch einen Klettertag in Ponte Brolle einlegen will, ist unter Umständen von Avegno sogar noch schneller. Ebenfalls lockt das schöne Maggiadelta bei Someo für ausgedehnte Spaziergänge. Kurze Hosen und barfuss im Sand sind dort ab März keine Seltenheit.

 

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nicht selten trifft man auch auf (giftige) Schlangen

 

Fürs leibliche Wohl ist gesorgt

Auch für das leibliche Wohl lohnt sich ein Abstecher ins Tal vielmehr als ein Besuch auf der Piazza Grande. Die etwas versteckte aber sehr gemütliche Pizzeria Bella Riva gleich neben dem Camping Platz in Gordevio ist ein echter Geheimtipp und bei den Einheimischen erste Wahl. Die Pizzas aus dem Holzofen sind eine schlichte Sensation, zu einem Preis, der ausserhalb des Maggiatals nirgends zu finden ist.

So bleibt nach einer knupsrigen Pizza und müden Unterarmen und ein voller Bauch und die Vorfreude auf weitere Tage am warmen Fels – bis es dann in einer Woche in die Skitourenferien geht. Schliesslich startet die Saison in Kürze.

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typische Rusticis in Avegno, besonders im alten Dorfkern Avegno di Fuori

 

Nützliche Informationen:

 

Schlafen

Bei Amadeo im Albergo San Giorgio in Losone

  • Zimmer ab 67.- CHF inkl. reichhaltigem Bio-Frühstück
  • Herzlicher Gastgeber

 

Luchilli’s BnB

  • direkt an der Piazza Grande
  • sehr herzliche und zuvorkommende Gastgeberin
  • BnB in Stil von Niki de Saint Phalle eingerichtet

 

Camping Piccolo Paradiso

  • direkt unte den ersten Blöcken
  • direkt an der Maggia
  • mit kleinem Restaurant und Shop
  • direkt neben der Bushaltestelle

 

Essen & Trinken

 

Do’s & Don’ts

  • ja kein Feuer machen
  • Abfälle wieder mitnehmen
  • im Winter aussschlafen, die Blöcke erhalten erst gegen 11 Uhr Sonne
  • Kaffee mitnehmen, ein Nachmittagsschläfchen kann nie schaden
  • Parkplatz (neu mit öffentlicher Toilette) beim Dorfausgang benutzen

 

Führer

Avegno Boulder

Schön aufgemachter Führer über die Blöcke rund um Avegno. Mit jeweils italienischer und Englischer Beschreibung. Sehr detailliert und übersichtlich gestaltet, mit Foto-Topos, Übersichten, Zustiegen, eben alles was es für einen guten Guide braucht.

 

 

 

   

 

 

Hier findest du eine Übersicht mit weiteren Tourentipps:

  • Die blauen Punkte sind Skitourengipfel
  • Die grünen Punkte sind Klettergebiete
  • Die gelben Punkte sind Wanderziele
  • Die roten Punkte sind Hochtouren
  • Die orangen Punkte sind Bouldergebiete

 

 

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Profile photo of Manuel Scherrer

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