Das 3x3 mit den drei lawinenbildenen Faktoren sowie den 3 Zoomstufen

Das 3x3 und die Grafische Reduktionsmethode von Munter in der Praxis

Werner Munter gilt als Pionier in der Beurteilung der Lawinengefahr. Er hat dabei diverse Modelle (3×3) und Formeln (Grafische Reduktionsmethode) entwickelt, anhand welcher die Gefahren, Risiken und deren Reduktion miteinander kombiniert werden können. Resultat ist ein Entscheidungsfindungsprozess, dessen Konzentrat für jeden verständlich ist und auf einer Tour angewendet werden kann.

 

 

Zusammenspiel von 3×3 & Grafische Reduktionsmethode

Der Entscheidungsfindungsprozess ist integraler Bestandteil jeder Tourenplanung im alpinen Gelände. Übertragen auf eine Tour im Schnee kann dieser Prozess grob in zwei Schritte unterteilt werden. In einem ersten Schritt geht es um die Erfassung des IST-Zustand. Hierfür wird das 3X3 herbeigezogen. Das 3X3 bezieht dabei die drei hauptsächlich lawinenbildenden Faktoren Verhältnisse, Gelände & Mensch mit ein, und betrachtet diese in einer Art Zoom Modus an. Jede Zoomstufe bildet dabei einen Filter, mit welchem mögliche Gefahren identifiziert und entsprechend gefiltert werden sollen. Dabei beginnt man immer auf der obersten Zoomstufe (regional) und arbeitet sich über die lokale (= im Gelände) in die zonale (= einzelner Hang) vor. Diese Reihenfolge muss immer eingehalten werden. Ziel ist es, mit dieser mehrstufigen Matrix einerseits 99% aller Gefahren zu erkennen und andererseits die erwarteten Gefahrenfaktoren immer wieder aufs Neue zu überprüfen.

 

Das 3x3 mit den drei lawinenbildenen Faktoren sowie den 3 Zoomstufen

Das 3×3 mit den drei lawinenbildenen Faktoren sowie den 3 Zoomstufen

 

 

Den IST-Zustand anhand des 3×3 beurteilen

Wie eingangs erwähnt bilden die Verhältnisse, das Gelände und der Mensch Gefahrenfaktoren für das Auslösen einer Lawine. Anhang des 3×3 wird daher jeder einzelne dieser Faktoren detailliert untersucht um dessen Einfluss auf die Gesamtgefahr betrachten zu können. In Kombination mit dem 3-stufigen Zoommodell (regional, lokal, zonal) bildet sich so eine Matrix. Die drei lawinenbildenden Faktoren werden also sowohl vor der Tour zu Hause (mit Kartenmaterial, Bulletin, usw) als auch auf der Tour selbst (Verhältnisse, Gelände, Gruppe so wie erwartet?) als auch im konkreten Einzelhang (Triebschnee, Mulde oder Kuppe usw) immer wieder aufs neue Beurteilt. Ziel ist es, 99% aller Gefahren durch diese Vorgehensweise zu erkennen. In einem nächsten Schritt wird versucht, anhand konkreter Massnahmen und unter Einbezug der momentanen Gefahrenpotentiale das Restrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Waage

 

Die Gefahren aus der IST-Beurteilung minimieren

Hat man einmal den IST-Zustand analysiert, ist das aber erst die halbe Miete. Jede noch so genaue und sorgfältige Analyse nützt nicht wenn daraus nicht das sinnvolle Verhalten im Gelände abgeleitet wird. Mit der Grafischen Reduktionsmethode verwendet Munter eine Formel, in welcher er Gefahrenpotentiale und Risikoreduktionsfaktoren einander gegenüberstellt. Also konkret die Gefahr und Faktoren, welche die Gefahr eindämmen.

Das Modell fungiert dabei wie eine Waage, anhand welcher Gefahren und damit verbundene Risiken und die Reduktion von Risiken miteinander abgewogen werden. Das Modell verhält sich dabei sowohl aufs Seiten der Gefahren als auch auf der Seite der Risikoreduktionsfaktoren dynamisch. So steigt die Gefahr mit Erhöhung der SLF-Stufe exponentiell, währenddessen die Reduktionsfaktoren immer situationsbedingt betrachtet werden müssen. Die Reduktionsfaktoren werden dabei in drei Klassen eingeteilt. Je nach Bulletin und/oder Gefahrenlage (zbsp. Bei Nassschneerutschen) müssen die Faktoren unterschiedlich betrachtet werden (vgl. Grafik).

 

Die klassifizierten Reduktionsfaktoren

Die klassifizierten Reduktionsfaktoren

 

Die Formel funktioniert dabei so, dass die Gefahrenpotentiale (abgeleitet aus dem SLF-Bulletin) durch die Reduktionsfaktoren geteilt wird. Ziel ist ein Wert möglichst Nahe bei Null (=geringes Risiko). Die Reduktionsfaktoren werden dabei miteinander multipliziert, währenddessen für die Gefahrenpotentiale auch ein Mittelwert definiert werden kann.

Gefahrenpotential abgeleitet von der Lawinengefahr

Gefahrenpotential abgeleitet von der Lawinengefahr

 

Fazit

Ziel ist es, mit diesem Verfahren einerseits eine möglichst detaillierte Analyse des IST-Zustands zu erstellen, und andererseits das unvermeidbare Risiko anhand konkreter Massnahmen auf ein Minimum zu reduzieren – respektive sich der minimierenden Faktoren bewusst sein und diese entsprechend in die Tourenplanung miteinzubeziehen. Wird dieses Verfahren konsequent angewendet, wirst du in Zukunft auf so manchen Hang verzichten müssen. Dafür stehen die Chancen hoch, dass du in Zukunft noch so manche Abfahrt ins Tal geniessen kannst. Auf deinen Latten und nicht im Heli – wohlgemerkt!

 

Die Karten von SwissTopo inkl. Hangneigung als praktische Hilfe für die Tourenplanung:

 

 

 

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